Das niederländische Flaggschiff „Aemilia“ feuert Salut für Admiral Maerten Harpertszoon Tromp. Das Gemälde von 1640 stammt von Simon de Vlieger. · Foto: akg-images
1639 zog Spanien eine gewaltige Flotte gegen die niederländische Republik zusammen. Diese konnte dagegen nur wenige Schiffe aufbieten. Doch dann hatte der niederländische Admiral Tromp eine Idee, die Seeschlachten für immer verändern sollte.
Maerten Harpertszoon Tromp kam von ganz unten. Er wurde 1598 in der holländischen Hafenstadt Den Briel geboren und entstammte einer Seemannsfamilie, seine Mutter war Analphabetin. Eine gute Ausbildung habe er nicht genossen, sagte er einmal, sondern sei „im unsteten Element des Meeres erzogen worden“. Schon mit neun Jahren fuhr er als Schiffsjunge zur See, mit elf musste er zusehen, wie sein Vater von Seeräubern getötet und über Bord geworfen wurde.
Später heuerte er auf Handelsschiffen an, dann auf Marineschiffen. Er stieg zum Kapitän auf, kommandierte bald ganze Geschwader und stand 1637 im Alter von 39 Jahren als Leutnant-Admiral an der Spitze der niederländischen Kriegsflotte. Eine solche Karriere war im 17. Jahrhundert nur in einem Land denkbar: in der niederländischen Republik.
Menschen wie Tromp lebten auf und mit dem Meer. Man versteht das so richtig, wenn man sein Schiffstagebuch von 1639 liest, als er mit seinem Flaggschiff „Aemilia“ und einer kleinen Flotte durch den Ärmelkanal kreuzte. In dem Journal geht es die meiste Zeit darum, woher und wie stark der Wind weht, wie sich das Wetter entwickelt und welche Segel gesetzt werden. Jegliche persönliche Äußerung fehlt. Mit keinem Wort geht er darauf ein, dass kurz vor Beginn der Reise seine Frau gestorben ist. Und nirgendwo lässt er durchblicken, was er von seinem Vizeadmiral Witte de With (1599–1658) hält: überhaupt nichts.
„Den 21. Juli war die See morgens ganz still. Wir ankerten eine halbe Meile vom Kastell von Folkestone entfernt.“ Diese Szene kann man sich genau so vorstellen wie auf einem Gemälde von Simon de Vlieger aus dem Jahr 1640 (Abbildung auf dieser Doppelseite). Darauf liegt die „Aemilia“ mit ihrem prachtvoll verzierten Heck auf einer spiegelglatten See. Matrosen turnen auf einer Maststange herum und bemühen sich, mit vereinten Kräften ein großes Segel einzuholen. Ein majestätischer Anblick.
Schwer erträgliche Zustände an Bord des Flaggschiffs
Das aber war der Blick von außen. Das tatsächliche Leben auf der „Aemilia“ war eine Tortur. 160 Männer waren dort auf 43 Metern zusammengepfercht. Ohne Privatsphäre, ohne Hygiene. Latrinen gab es nur für die Offiziere, die anderen mussten sich auf einem hölzernen Gitter an der Spitze des Schiffes hinhocken. Mit einem Tau, das ins Meer getaucht wurde, konnte man sich säubern.
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Links: Leutnant-Admiral Maerten Harpertszoon Tromp im Jahr 1640 nach seinem großen Sieg über die Spanier (Gemälde von Michiel Janszoon van Mierevelt). · Foto: akg-images
Diejenigen, die das zu umständlich fanden oder krank waren, verrichteten ihr Bedürfnis irgendwo unter Deck. Kot, Urin und Erbrochenes vermengten sich dort mit dem Wasser, das durch Ritzen und Löcher überall eindrang, zu einer breiigen Brühe. Diese sickerte durch Abflüsse in die Tiefen des Schiffes bis auf das unterste Deck. Von dort verbreitete sie einen unbeschreiblichen Gestank. Die Kleidung der Besatzungsmitglieder war immer feucht und konnte nicht gewechselt werden. Auch Tromp behielt seine Sachen im Bett einfach an. Alle Seeleute hatten Läuse und Wanzen, und um sie herum wimmelte es von Ratten.
Gegen die schlechten Bedingungen auf den Schiffen demonstrierten die an Land gebliebenen Frauen der Matrosen immer wieder. 1640 versammelten sie sich zum Beispiel zu einer lautstarken Kundgebung vor dem Haus des holländischen Ratspensionärs – vereinfacht: Regierungschef – Jacob Cats. In welchem anderen Land wäre so etwas zu dieser Zeit vorstellbar gewesen? Wenigstens gab es gut zu essen. Das Tagesmenü enthielt 4800 Kalorien, das Doppelte von dem, was heute empfohlen wird.
Die „Aemilia“ war auch ein Spiegel der Gesellschaft: Einige wenige hatten das Sagen. Tromps Regiment war allerdings milde. Seine Leute nannten ihn in späteren Jahren liebevoll bestevaer – „Großvater“. Auf Porträtbildern lächelt er stets, was ungewöhnlich ist für die Zeit. Aber er hatte auch eine andere Seite: Einmal ließ er 100 Freibeuter in den Masten ihrer Schiffe aufhängen.
Was tat Tromp nun in jenem Jahr 1639 im Ärmelkanal? Er wollte eine spanische Kriegsflotte abfangen. Spanien war der Erzfeind der Niederlande, und dies schon seit mehr als 70 Jahren. Wie es dazu gekommen war, ist eine lange Geschichte. Im 16. Jahrhundert wurden Spanien und die Niederlande – die damals in etwa die heutigen Benelux-Länder umfassten – von ein- und demselben Herrscher regiert: König Philipp II. Dieser wollte die Macht in seiner Hand zentralisieren. Daraus entwickelten sich zunächst Spannungen, dann ein Aufstand, schließlich ein Krieg.
Nach zahllosen Wendungen sah die Lage im Jahr 1639 so aus, dass die Niederlande geteilt waren: Der Süden – das heutige Belgien – war weiterhin mit Spanien verbunden und wurde als Spanische Niederlande bezeichnet. Der Norden dagegen hatte sich als Republik selbstständig gemacht und war durch den Seehandel zu beispiellosem Wohlstand gelangt.
Rechts: Der spanische Admiral Antonio de Oquendo war aufgrund der zahlenmäßigen Überlegenheit seiner Flotte voller Zuversicht in die Auseinandersetzung mit den Niederländern gegangen (zeitgenössisches Gemälde). · Foto: akg-images / Album / AFO
Der Krieg mit Spanien fand hauptsächlich zu Lande statt. Spaniens Problem war, dass es seit 1635 auch noch mit Frankreich im Krieg lag. Das bedeutete, dass der Landweg in die Spanischen Niederlande verschlossen war. Neue Truppen konnten nur noch übers Meer in den damals noch zu den Spanischen Niederlanden gehörenden Seehafen Dünkirchen transportiert werden. Wie die niederländische Regierung erfahren hatte, bereitete Spanien im Sommer 1639 einen besonders großen Truppentransport vor. Um den abzufangen, hielt Tromp Wache.
Am 15. September war es so weit. Nachdem am Mittag lediglich einige englische Kauffahrer gesichtet worden waren, tauchten in der Abenddämmerung plötzlich Masten am Horizont auf. Viele Masten. „Davon ausgehend, dass es die Spanische Armada war, hissten wir die weiße Flagge und gaben damit allen Kapitänen das Zeichen, an Bord zu kommen“.
Der Kriegsrat, der daraufhin im Licht der untergehenden Sonne in Tromps Kajüte stattfand, kann durchaus historisch genannt werden. Der nüchterne Admiral verliert darüber in seinem Journal weiter kein Wort, doch es gibt eine andere, sogar besonders glaubwürdige Quelle auf der Gegenseite: In der Armada fuhr ein bedeutender portugiesischer Barockdichter mit, Dom Francisco Manuel de Melo. 1641 kam es durch Zufall unter völlig anderen Umständen zu einem Zusammentreffen mit Tromp auf englischem Boden. Melo nutzte diese Gelegenheit für einige ausführliche Gespräche über die denkwürdigen Geschehnisse im Ärmelkanal.
Zahlenmäßige Überlegenheit der spanischen Flotte
Tromp selbst hatte an jenem Abend nur zwölf Schiffe zur Verfügung, die Armada dagegen bestand aus 75 Schiffen mit insgesamt 21 000 Mann an Bord: 13 000 Soldaten und 8000 Matrosen. Eine gewaltige Übermacht.
Siegesgewiss verkündete der Kommandant der Flotte, der altgediente Admiral Antonio de Oquendo (1577– 1640), in der Kajüte seines mit 66 Kanonen bewaffneten Flaggschiffs „Santiago“: „Meine Herren, der Feind ist nur ein kleiner Fisch! Wenn wir jetzt alle unser Bestes geben, wird das eine einfache Sache.“ Er selbst werde den Angriff mit seinem Flaggschiff anführen.
Die beiden Flaggschiffe im direkten Feuergefecht: links die spanische „Santiago“ und rechts die kleinere „Aemilia“ der Niederländer (Stich, 1642–1665). · Foto: akg-images / Liszt Collection
Zum gleichen Zeitpunkt sprach auch Tromp mit seinen Kapitänen, und auch er kündigte an, am nächsten Morgen angreifen zu wollen. Ja, das klinge verwegen, räumte er Melos Bericht zufolge ein. Seine Strategie bestehe jedoch darin, die niederländischen Kriegsschiffe zu einem „einzigen Schiff“ umzuformen und dadurch in eine „neue Maschine“ zu verwandeln, einen „unzerbrechlichen Felsen, verteidigt mit 500 Kanonen“, ein „klobiges Monster“.
Sicherlich hört man hier eher den portugiesischen Dichter als den holländischen Seemann sprechen. Doch inhaltlich dürfte Melo Tromps Rede während des Kriegsrats in seiner Kajüte richtig wiedergegeben haben. Was aber meinte er damit?
Traditionell liefen Seeschlachten so ab, dass die gegnerischen Schiffe in einem chaotischen Gewühl aneinander heranfuhren, sich gegenseitig enterten und es dann zu einem Kampf Mann gegen Mann kam – im Grunde eine Landschlacht auf dem Wasser. Die Begegnung der Spanischen Armada von 1588 mit der englischen Kriegsflotte war aber schon anders verlaufen: Die Engländer ließen es nicht zu Nahkämpfen kommen, sondern beschossen den Gegner aus der Distanz.
Leutnant-Admiral Tromp gedachte, das ebenfalls zu tun, aber er wollte den Effekt des Kanonenfeuers noch massiv verstärken – und zwar dadurch, dass die niederländischen Schiffe wie an einer Kette dicht hintereinander herfahren sollten. Tromp hatte dies im vorhergehenden Jahr erstmals praktiziert, um die Hafenmündung der Freibeuterfestung Dünkirchen zu bombardieren.
Am nächsten Morgen segelten die Spanier auf die niederländische Flotte zu, die in der Nacht immerhin noch durch vier Schiffe verstärkt worden war. De Oquendo fuhr mit seiner „Santiago“ wie angekündigt voraus, um die deutlich kleinere „Aemilia“ zu entern. An Deck drängten sich die Soldaten mit Enterhaken und geladenen Pistolen. Und da geschah es: Plötzlich drehten alle niederländischen Schiffe bei, reihten sich hintereinander auf und fuhren auf de Oquendo zu. Eine nautische Meisterleistung, da alle mit gleicher Geschwindigkeit auf gleichem Kurs segeln mussten.
Sogenannte Kettenkugeln flogen nach dem Abfeuern um sich selbst rotierend durch die Luft. · Foto: akg-images / INTERFOTO / HERMANN HISTORICA GmbH
Als sie sich näherten, muss den Spaniern auf der „Santiago“ aufgefallen sein, dass an Bord nur wenige Männer zu sehen waren. Warum das so war, sollten sie schnell merken: Die Soldaten befanden sich unter Deck, um die Kanonen zu bedienen. Sobald die an der Spitze fahrende „Aemilia“ die „Santiago“ erreicht hatte, feuerte sie aus allen Rohren. Die Kanonenkugeln durchschlugen das Eichenholz der Galeone, was dazu führte, dass die Soldaten im Inneren durch umherfliegende Splitter furchtbare Verletzungen erlitten. Zudem wurden Kettenkugeln eingesetzt, die aus zwei mit einer Kette verbundenen Kugeln (oder auch zwei Halbkugeln) bestanden. Diese Geschosse hatten eine breite Zerstörungskraft und richteten etwa in der Takelage mehr Schaden an als normale Kanonenkugeln.
Diese Salve war schon verheerend, aber es blieb nicht dabei. Während die „Aemilia“ weitersegelte, war schon das nächste Schiff zur Stelle und feuerte. Und so immer weiter. Zwölf Salven von zwölf Schiffen in nicht mehr als wenigen Minuten. Als sich der Pulverrauch verzog, war die „Santiago“ nach den Worten von Melo nicht mehr wiederzuerkennen: „Die Flaggen, die sie verziert hatten, flogen in Fetzen durch die Luft, die Segel dagegen sahen wie Flaggen aus, so wie sie da traurig im Wind flatterten.“ Auf dem Oberdeck lagen 150 Tote. Das „Monster“ der Niederländer hatte zugeschlagen.
Nur einer tanzt aus der Reihe
Zwar erreichte nun auch die Hauptmacht der Armada den Kampfplatz, doch die Schiffe waren sich dabei gegenseitig im Weg, wodurch sie kaum dazu kamen, auf den Feind zu feuern. Die Niederländer dagegen hielten die Kiellinie weiterhin ein – mit Ausnahme des ebenso eitlen wie ignoranten Vizeadmirals Witte de With, der bewusst aus der Formation ausbrach, um sich im Zweikampf zu profilieren.
Solche eigenmächtigen Aktionen sollten noch auf lange Zeit die Kiellinienformation unterlaufen und so manchen Sieg verspielen. Der auf persönlichen Ruhm erpichte de With konnte es einfach nicht verkraften, dass er sich im wahrsten Sinne des Wortes in Reih und Glied einordnen und sein Ego zurückstellen sollte.
In diesem Fall allerdings behielten die Niederländer dennoch die Oberhand und richteten die schwerfälligen spanischen Galeonen übel zu. De Oquendo gab nun den Befehl, sich vorübergehend auf die Reede von Downs zurückzuziehen. Diese Reede vor der Küste von Kent war so etwas wie ein riesiger Parkplatz an der meistbefahrenen Schifffahrtsroute Europas, dem Ärmelkanal. Sie lag relativ geschützt und war in diesem Fall ein extrasicherer Rückzugsort, da es sich um neutrales englisches Hoheitsgebiet handelte. De Oquendo wollte dort sein Schiff reparieren lassen.
Blick vom englischen Festland bei Deal in der Grafschaft Kent auf die vor der Küste liegende spanische Flotte. De Oquendo hatte sich nach den ersten Gefechten im September 1639 hierher zurückgezogen (Stich, 1640). · Foto: akg-images / Liszt Collection
Doch wenn er geglaubt hatte, dass die Niederländer nun abziehen würden, hatte er sich getäuscht: Tromp ankerte in Sichtweite und ließ ihn nicht aus den Augen. In den nächsten Wochen wurde seine Flotte ständig größer: Die Admiralitäten in den nahen Niederlanden mieteten in aller Eile Handelsschiffe und rüsteten sie zusätzlich mit Kanonen aus. Bis zum 5. Oktober wuchs Tromps Flotte so auf 63 Schiffe an. Währenddessen verkleinerte sich die Armada, weil bei Nacht und Nebel 13 Fregatten mit bis zu 4000 Soldaten und Millionenwerten an Silber nach Dünkirchen entwischten.
Ein Engländer will Tromp in Schach halten
Als dritte Partei war der englische Vizeadmiral John Penington (vermutlich 1584–1646) mit einem Geschwader von 15 Schiffen vor Ort. Er ermahnte Tromp, sich jedweder Feindseligkeit zu enthalten. Tromp versicherte ihm, nichts zu unternehmen, ohne ihn vorab zu informieren.
Einmal ließ Penington Tromp zur Rede stellen, weil ihm zu Ohren gekommen war, dass dieser eine spöttische Bemerkung über ihn gemacht hatte. Tromp redete sich damit heraus, dass er eine niederländische Redewendung, die etwas ganz anderes bedeute, wörtlich ins Englische übersetzt habe, sein Englisch sei nicht besonders gut. Dass man sich Tromp als einen Mann mit Humor vorstellen muss, zeigt auch seine Antwort auf die Frage, nach welchen Kriterien er den genauen Zeitpunkt für einen Angriff bestimme. Dafür habe er immer seinen eigenen Haus-Astrologen mit an Bord, erwiderte er.
Die große Ansammlung von Schiffen zog an der englischen Küste zahllose Schaulustige an. Ein hoher Adliger, Lord Conway, setzte sich in den Kopf, aufseiten der Holländer mitzukämpfen. Allerdings musste dies standesgemäß geschehen, sodass er Tromps Kajüte für sich beanspruchte, um dort sein Bett aufzustellen. Es dauerte einige Zeit, ihm die Sache auszureden – Tromp verwies unter anderem darauf, dass das Essen an Bord schwerlich seinen Ansprüchen gerecht werden würde.
Die große Schlacht am 21. Oktober 1639. Im Vordergrund die Explosion der „Santa Teresa“, nachdem ein Brand die Pulverkammer des Schiffs erreicht hatte (Stich, 1639). · Foto: akg-images / Liszt Collection
Am 21. Oktober hatte sich Tromps Streitmacht auf mehr als 100 Schiffe vergrößert. An diesem Tag ging er zum Angriff über. Die Generalstaaten – die republikanische Regierung in Den Haag – hatten ihn angewiesen, dabei auf keinerlei Ansprüche irgendwelcher „Conickrijcken“ (Königreiche) Rücksicht zu nehmen. Zwar unterrichtete er Penington am frühen Morgen wie versprochen vorab per Brief – dieser war allerdings auf Niederländisch verfasst, sodass der Engländer ihn zunächst nicht lesen konnte.
Brennende Schiffe lösen Panik aus
Als Tromps Schiffe auf die Spanier zufuhren, brach unter diesen sofort Panik aus, weil sie Brander erkannten – Schiffe, die randvoll mit Pulver gefüllt waren. Diese ließ man auf den Feind zutreiben und explodieren. Binnen einer halben Stunde liefen 20 der größten spanischen Schiffe am Strand auf Grund, teils mit voller Absicht, damit sich die Mannschaften in Sicherheit bringen konnten.
Höhepunkt der Schlacht war das Kapern und Inbrandsetzen der „Santa Teresa“, eines der größten Schiffe der Welt, von den Niederländern „Goliath“ genannt. Als die Flammen am Abend die Pulverkammer der Galeone erreichten, kam es zu einer gewaltigen Explosion, die an der englischen Küste als „großer Lichtstrahl, als Blitz“ wahrgenommen wurde. Etwa 500 Besatzungsmitglieder starben. Eine glühende Kanone wurde hoch in den Nachthimmel geschleudert, „ein schrecklicher Anblick“, wie die frühe Zeitung „Courante uyt Italien, Duytslandt & c.“ berichtete.
De Oquendo konnte sich mit seiner „Santiago“ und einigen anderen Schiffen auf das offene Meer retten und nach Dünkirchen durchschlagen – er war ein gebrochener Mann und starb wenig später.
In den Niederlanden läuteten alle Kirchenglocken, Feuerwerk wurde abgeschossen, und auf dem Teich vor dem Binnenhof, dem Sitz der Regierung, wurde die Explosion der „Santa Teresa“ nachgestellt.
Für den spanischen König Philipp IV. war die Niederlage von 1639 ein schwerer Rückschlag. 1648 musste er endgültig die Unabhängigkeit der Republik Niederlande hinnehmen (Gemälde von Diego Velázquez, 1632). · Foto: INTERFOTO / fine art images
Allgemein herrschte das Gefühl, dass der Krieg gewonnen war – tatsächlich sollte es noch neun Jahre dauern, bis Spanien die Unabhängigkeit der Republik im Westfälischen Frieden endgültig anerkannte. Die geordnet in einer Reihe kämpfenden Kriegsschiffe gingen als „Kiellinie“ in die Geschichte ein und prägten den Seekrieg bis ins 20. Jahrhundert.
Und Tromp? Der einstige Schiffsjunge wurde erst vom König von Frankreich in den Adelsstand erhoben und dann 1642 auch noch vom englischen König Karl I. zum Ritter geschlagen.
Bei dieser Gelegenheit erlaubte er sich in seinem Schiffsjournal ein einziges Mal eine emotionalere Passage. Er sei vor dem König niedergekniet, und dann habe ihm dieser mit dem Degen von Vizeadmiral Penington auf die Schulter getippt. Anschließend habe er ihm aufgeholfen und ihm gratuliert. „Ich gab dem König zur Antwort: ,Mijn lijff is voor Sijn Majesteijt‘ [,Ich werde mit meinem Leben für Seine Majestät einstehen‘].“ Bei so viel königlicher Ehre können wohl auch Republikaner mal schwach werden.
DR. CHRISTOPH DRIESSEN
ist Historiker und Journalist.
Literatur
Christoph Driessen, Geschichte der Niederlande. Von der Seemacht zum Trendland. 4. Auflage, Regensburg 2022. Jaap R. Bruijn, The Dutch Navy of the Seventeenth and Eighteenth Centuries. Columbia, S.C. 1993.
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