Seit Oktober 1957 war Contergan rezeptfrei erhältlich und galt zunächst als gut verträglich. Doch schon Ende der 1950er Jahre häuften sich Berichte über schwere Fehlbildungen bei Neugeborenen. Zunächst gerieten die damals zahlreichen atmosphärischen Atomwaffentests in Verdacht. Eine Untersuchung des Bundesinnenministeriums kam 1959 allerdings zu dem Schluss, dass die Zahl der Fehlbildungen statistisch nicht zugenommen habe. Erst 1961 verdichteten sich die Hinweise auf einen Zusammenhang mit Contergan. Lenz stellte bei seinen Nachforschungen fest, dass zahlreiche Mütter betroffener Kinder das Mittel in der frühen Schwangerschaft eingenommen hatten. Nachdem die „Welt am Sonntag“ am 26. November über den Verdacht berichtet hatte, nahm Grünenthal Contergan am folgenden Tag aus dem Handel.
Die Folgen für die Betroffenen waren verheerend. Weltweit wurden etwa 10 000 Kinder mit schweren thalidomidbedingten Fehlbildungen geboren, rund 5000 davon in Deutschland. Viele überlebten die ersten Lebensjahre nicht. Nach jahrelangen gerichtlichen und politischen Auseinandersetzungen wurde 1972 die Stiftung „Hilfswerk für behinderte Kinder“ gegründet. Unter dem Namen „Conterganstiftung“ unterstützt sie die Betroffenen bis heute.
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