Im Ersten Weltkrieg erlebten die Menschen in Europa Gewalt in einem bis dahin nicht gekannten Ausmaß. Der Krieg veränderte nicht allein Linien auf Landkarten, sondern zerstörte auch Überzeugungen, Konventionen und die alte politische Ordnung. Den Folgen dieser Gewalterfahrung widmet sich die neue Dauerausstellung im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien. Unter dem Titel „Gewalt – Gesellschaft. Österreich im Zeitalter der Weltkriege 1918 bis 1955“ verfolgt sie anhand von 42 Einzelschicksalen die Spuren, die der Krieg in individuellen Lebenswegen hinterließ – und gelangt so zu einem breiten Panorama einer tief traumatisierten Gesellschaft. Hunderttausende Soldaten kehrten aus den Schützengräben zurück in ein Land, das sie kaum wiedererkannten: Der Kaiser hatte abgedankt, das Habsburgerreich war zerfallen, und die Wirtschaft lag am Boden. Unter schwierigsten Bedingungen musste das Leben in einer neuen politischen und gesellschaftlichen Ordnung erlernt werden. Zugleich galt es, mit den eigenen körperlichen und seelischen Wunden umzugehen.
Die Ausstellung zeigt, wie das geschlagene Land zum Nährboden neuer Gewalt wurde. Der Ausnahmezustand war für viele zur Normalität geworden, eine gewalttätige Sprache prägte den politischen Diskurs, und ein Lagerdenken, das nur Freund oder Feind kannte, hielt Einzug. Mit dem demokratischen Zwischenspiel war es bald vorbei: Das Donnern der Artillerie, das im Februar 1934 wieder zu hören war, klang für viele nur allzu vertraut. Kaum fünf Jahre später herrschte erneut Krieg – und erneut ging er verloren. Doch anders als nach 1918 gelang nach 1945 der Aufbau einer stabilen demokratischen Ordnung. Auch davon erzählt die Ausstellung.



