Damals war die Insel Santorin noch Teil der sogenannten Kykladenkultur, deren Blüte ins 3. Jahrtausend v. Chr. datiert wird. Im Lauf des 2. Jahrtausend v. Chr. machten sich in der südlichen Ägäis allerdings bereits die Einflüsse der Minoer bemerkbar. Deren Machtzentrum lag auf dem südlich von Santorin gelegenen Kreta. Die Schwalben zieren die Wände eines nur wenige Quadratmeter großen Raums im sogenannten Komplex Delta der Ausgrabungen in Akrotiri. Neben den Vögeln zeigen die Wandmalereien, die von den Ausgräbern den Namen „Frühlingsfresko“ erhielten, Lilien auf einer felsigen Landschaft.
In der Bildsprache der damaligen Zeit, in der erotische Darstellungen von Menschen nicht üblich waren, stehen die beiden Vögel wohl stellvertretend für ein Liebespaar. In einem anderen Fresko des ausgegrabenen Gebäudekomplexes sieht man Schwalben, die bereits ihren Nachwuchs im Nest versorgen.
Der griechische Archäologe Spyridon Marinatos entdeckte 1967 in der Nähe des heutigen Dorfs Akrotiri erste Überreste einer bronzezeitlichen Siedlung. In den folgenden Jahren kamen immer mehr Gebäude mit farbenfrohen Fresken zum Vorschein.
Für deren guten Erhaltungszustand gibt es einen Grund: Die Siedlung wurde beim Ausbruch des Thera-Vulkans um 1600 v. Chr. unter einer meterdicken Bimssteinschicht begraben, weshalb man die Fundstätte auch als das „Pompeji der Bronzezeit“ bezeichnet. Im Gegensatz zur Siedlung der Römerzeit scheint es den Bewohnern aber gelungen zu sein, die Insel rechtzeitig zu verlassen, denn es wurden bislang keine Opfer der Katastrophe entdeckt.
Bei den dargestellten Tieren könnte es sich um Rauchschwalben handeln, zumindest spricht die rötliche Partie um Kehle und Augen dafür. Die kleinen Kringel am Ende der Schwanzspieße stellen eine künstlerische Freiheit dar.
Info
Ein Teil der originalen Wandmalereien aus Akrotiri, darunter das „Frühlingsfresko“, ist heute im Archäologischen Nationalmuseum in Athen zu sehen.





