1379 besetzte Genua die Stadt Chioggia in der Adria. Der sogenannte Chioggia-Krieg war Teil des Dauerkonflikts der beiden Handelsnationen (Gemälde von Jan van Grevenbroeck, 18. Jahrhundert). · Foto: Bridgeman Images / DeAgostini Picture Library / A. Dagli Orti
Venedig und Genua kamen sich im Mittelalter ständig ins Gehege. Die Dauerfehde der beiden Handelsmächte eskalierte zwischen 1256 und 1381 vier Mal in mehrjährigen Kriegen. Meistens wurde dabei auf dem Meer gekämpft.
Die Venezianer sind habgierige Menschen und starrsinnig und abergläubisch und wollen sich, wenn möglich, die ganze Welt unterwerfen und behandeln die Kaufleute, die zu ihnen kommen, rücksichtslos.“ Der Franziskanermönch Salimbene von Parma (1221– nach 1288) sprach aus, was viele seiner Zeitgenossen dachten: Was war das für ein eigenartiges Gemeinwesen, das sich im Laufe der Zeit von einem elenden Fischernest am Nordrand der Adria zu einer Macht entwickelt hatte, die mit Fürsten und Königen, ja mit Kaiser und Papst auf Augenhöhe verhandelte und in der europäischen Politik im Stile einer Großmacht agierte? Wie war dieser schwindelerregende Aufstieg möglich geworden?
Der Handel hatte Venedig reich gemacht, und schon dieser Sachverhalt wurde in einer Zeit, in der die allermeisten Menschen auf dem Land und vom Land lebten, mit Misstrauen beobachtet. Der Händler, der nicht im Schweiße seines Angesichts den Boden bebaute, um ihm karge Ernten abzugewinnen, sondern anderer Leute Produkte möglichst günstig einkaufte, um sie andernorts möglichst teuer zu verkaufen, er stand immer im Geruch des Betrügers – bereits in der Antike: Ist es doch kein Zufall, dass der Götterbote Hermes zugleich auch der Gott der Kaufleute und der Diebe war.
Allerdings war der Transport von Waren in der Zeit, da Salimbene die venezianischen Kaufleute so rüde kritisierte, alles andere als eine Kleinigkeit, zumal wenn es größere Distanzen zu überwinden galt. Wenn irgend möglich, benutzte man dabei Wasserwege, doch auch hier waren das Reisen und vor allem der Warentransport unendlich viel langsamer, mühsamer, gefährlicher und teurer als heutzutage.
Venezianische Händler bringen Waren aus Asien nach Europa
Aus den großen Mühen und Risiken resultierten die großen, mitunter das Märchenhafte streifenden Gewinnmargen, zumal wenn es um rare und entsprechend begehrte Güter ging. Genau hier hatten die Kaufleute von Venedig ihr wichtigstes Tätigkeitsfeld gefunden, im Handel mit Waren aus dem Nahen und Fernen Osten, die man in Europa vor der Entdeckung des Seewegs nach Indien nur über den Mittelmeerhandel beziehen konnte: Gewürze, vor allem Pfeffer, Seide und Baumwolle, Perlen, Edelsteine und Edelhölzer.
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Die Stadtstaaten Venedig und Genua erwirtschafteten ihren Reichtum vor allem mit dem Fernhandel. Die Szene mit italienischen Händlern in Asien stammt aus der mittelalterlichen Sammlung „Livre des merveilles du monde“ (um 1410–1412), die auch die Reisebeschreibung Marco Polos enthält. · Foto: akg-images
Angesichts der enormen Profite, die der Orienthandel ermöglichte, kann es kaum überraschen, dass es den Venezianern nicht an Konkurrenten fehlte. Der wichtigste unter ihnen war Genua, eine Stadt, die ebenso wie Venedig am Nordrand des Mittelmeeres liegt, nur eben im Westen der Apenninenhalbinsel.
Mit seiner großen Hafenbucht verfügte Genua über ähnlich gute Voraussetzungen für den Seehandel wie die Stadt in der Lagune, und bei beiden ging aus zahllosen Seeleuten jeweils einer hervor, der es zu Weltruhm brachte: Den Genuesen Christoph Kolumbus wird man ebenso wie den Venezianer Marco Polo unter die „großen Reisenden“ der europäischen Geschichte rechnen können.
Und ganz ähnlich wie die Venezianer erfreuten sich auch die Genuesen angesichts der wachsenden Erträge ihrer Handelsgeschäfte und der daraus resultierenden politischen Ambitionen eines eher zweifelhaften Rufs bei ihren Zeitgenossen. „Genova, la superba“, so hieß die Stadt bald, und dieses Attribut lässt sich mit „stolz“, aber ebenso gut mit „hochmütig“ übersetzen.
Kein Wunder also, dass aus der Konkurrenz um die lukrativen Gewinne aus dem Orienthandel (und dazu gehörte auch der Getreideimport aus den Gebieten im Norden des Schwarzen Meeres) Konflikte entstanden, die militärisch ausgetragen wurden. Nicht weniger als vier venezianisch-genuesische Kriege verzeichnen die Annalen der Seekriegsgeschichte in der Zeit von der Mitte des 13. bis zum Ende des 14. Jahrhunderts.
Die Goldmünze Genuas (hier von 1334–1336) hieß genovino, konnte aber letztlich nicht an die Bedeutung des venezianischen ducato (Dukat) heranreichen. · Foto: Bridgeman Images / Giancarlo Costa
Der erste von ihnen brach im Jahre 1256 aus, und sein Anlass war banal: In der Stadt Akkon in der Levante war es zwischen venezianischen und genuesischen Kaufleuten zu Handgreiflichkeiten gekommen, wie sie in dieser Epoche an der Tagesordnung waren. Doch hinter dem alltäglichen Krawall verbargen sich eben viel grundlegendere Konflikte, nämlich das Ringen um Handelsprivilegien.
In Genua wie in Venedig sah man die Stunde gekommen, den lange schwelenden Konflikt zum militärischen Austrag zu bringen, und rüstete Flotten aus, die in den folgenden Jahren wiederholt aufeinandertrafen. In den Seeschlachten vor Akkon 1258, Settepozzi 1263 und Trapani 1266 setzten sich dabei jedes Mal die Venezianer durch. Doch der Nutzen dieser Siege blieb gering, da es den Genuesen gelang, zu gleicher Zeit einen ausgesprochen erfolgreichen Kaperkrieg gegen venezianische Handelsschiffe zu führen. Als man 1270 einen zunächst auf fünf Jahre befristeten Frieden schloss, war nichts entschieden.
Beide Seiten suchten in der Folgezeit Verbündete, und damit wird es Zeit, den Blick auf die politischen Akteure des Mittelmeerraumes in dieser Epoche zu richten. Die traditionelle Vormacht in dessen Osten war seit der Spätantike das Oströmische Reich, doch dessen Niedergang war im späten 13. Jahrhundert weit fortgeschritten.
Die Handelsstädte profitieren vom byzantinischen Niedergang
Zu den Ursachen des venezianischen Aufstiegs hatte gehört, dass die Kaiser in Konstantinopel sich schon seit Langem immer wieder genötigt sahen, militärische Hilfe durch die Gewährung von Handelsprivilegien, von Zoll- und Steuerbefreiungen zu erkaufen; die Genuesen hatten ebenfalls von der Bedrängnis der Byzantiner in wachsendem Maße profitiert. Auch die Getreideversorgung der für damalige Verhältnisse riesigen Metropole Konstantinopel war ein einträgliches Geschäft, das längst in den Händen der italienischen Händler lag.
Ansicht von Genua in einer Karte aus dem 14. Jahrhundert. Der markante Leuchtturm (torre della lanterna) steht heute noch, allerdings musste er im 16. Jahrhundert nach Kriegsschäden wieder aufgebaut werden. · Foto: Bridgeman Images / Luisa Ricciarini
Am Südrand des Mittelmeeres war die bei Weitem wichtigste Handelsstadt das ägyptische Alexandria, das unter der Herrschaft der Mameluken-Sultane stand, die sich die Handelsgeschäfte mit den christlichen Glaubensfeinden von diesen teuer bezahlen ließen.
Schaut man sich die ober- und mittelitalienische Nachbarschaft Venedigs und Genuas an, so werden die Dinge kompliziert. Eine Vielzahl kleiner und kleinster Herrschaftsgebiete kämpfte um politischen Handlungsspielraum, teilweise in Gestalt von Republiken wie Florenz und Siena, teilweise aber auch schon unter der Herrschaft eines autokratischen Stadtherrn, eines Signore, weshalb sie dann als „Signorien“ bezeichnet wurden.
Das mächtige Mailand etwa, einst stolze Republik, geriet 1277 unter die Herrschaft der Familie Visconti, und deren Machtwillen sollte das benachbarte Genua ebenso wie das übrige Oberitalien schon bald zu spüren bekommen.
Die Venezianer hingegen sahen sich im 14. Jahrhundert mehr und mehr genötigt, die politischen Ambitionen der della Scala in Verona und der Carrara als Herren von Padua in ihre Kalküle einzubeziehen. Lange Zeit taten sie das, indem sie die Nachbarn auf dem oberitalienischen Festland gegeneinander ausspielten, und zwar mit großem Geschick.
Beim Handel mit Getreide machten sich die Händler wenig Freunde unter der Landbevölkerung, da ihnen Gier unterstellt wurde (italienische Buchmalerei, um 1334/1340). · Foto: akg-images / Rabatti & Domingie
An der direkten Herrschaft über die terra ferma waren sie im 13. und 14. Jahrhundert allenfalls in zweiter Linie interessiert. „Die Stärke und der Rang unserer Bürgerschaft beruht auf ihrem Handel“, heißt es in einem Beschluss des venezianischen Senats vom 20. Dezember 1375, und diese Feststellung hätte auch schon ein Jahrhundert zuvor ihre Richtigkeit gehabt.
So blieb das Verhältnis zum großen Fernhandelskonkurrenten Genua auch nach dem Friedensschluss von 1270 gespannt. Immer wieder kam es zu kleineren Konflikten, zumal ja in dieser Epoche die Grenzen zwischen Handelsschifffahrt und Gelegenheitskaperkrieg fließend verliefen.
Marco Polo gerät in Gefangenschaft
Im Jahr 1294 eskalierten die Spannungen im zweiten venezianisch-genuesischen Krieg, in dem dieses Mal die Genuesen die großen Siege errangen. In den Schlachten bei Lajazzo am 28. Mai 1294 und vor Curzola am 7. September 1298 schlugen sie ihren Gegner vernichtend.
Besonders bitter für die Venezianer war die Niederlage bei Curzola, vor der eigenen Haustür gewissermaßen, in der Adria, die man in der Lagune längst als „Golf von Venedig“ zu betrachten und zu bezeichnen gewohnt war. Zu den Venezianern, die bei Curzola in Gefangenschaft gerieten, gehörte auch Marco Polo, der in der Folgezeit im genuesischen Gefängnis Zeit fand, den später so berühmten Bericht über seine Jahre am Hof des Mongolen-Khans zu diktieren.
Die Pestepidemie, die seit 1347 wütete, traf Venedig und Genua besonders früh, da der Erreger sich entlang der Handelsrouten verbreitete (venezianische Miniatur, 14. Jahrhundert). · Foto: Bridgeman Images / DeAgostini Picture Library / NPL
Trotz dieser herben militärischen Rückschläge gelang es der geschickten venezianischen Diplomatie 1299, einen Frieden auszuhandeln, der im Wesentlichen den Status quo bestätigte und in dem die beiden Kontrahenten ihre Interessensphären, an der tyrrhenischen Küste einerseits, in der Adria andererseits, gegenseitig anerkannten.
Auch dieser Friedensschluss war insofern nicht mehr als ein Waffenstillstand, der allerdings ein halbes Jahrhundert hielt, ehe es 1350 erneut zum Krieg kam, der dieses Mal beide Gegner an den Rand der totalen Erschöpfung führte, hatte doch kurz zuvor der „Schwarze Tod“, die Pest, die Bevölkerung ganz Europas, vor allem aber diejenige der großen Handelsstädte erbarmungslos dezimiert.
Doch niemals standen die Venezianer so scharf am Abgrund wie dann im vierten und, wie sich zeigen sollte, letzten Krieg gegen Genua, dem sogenannten Chioggia-Krieg. Der brach 1378 aus, und der Anlass war einmal mehr der Streit um Handelsfragen, in diesem Falle um die Herrschaft über die kleine Insel Tenedos, die vor den Dardanellen liegt und deswegen als Schlüssel zum lukrativen Getreideimport aus dem Schwarzmeerraum galt.
Erneut rüsteten beide Seiten große Kriegsflotten aus, was eine enorme wirtschaftliche und administrative Anstrengung bedeutete. Die Mittelmeerschifffahrt wurde nämlich seit jeher, seit der Antike schon, dominiert von Galeeren, einem Schiffstyp, der zwar über Mast und Segel verfügte, um nach Möglichkeit den Wind für sich arbeiten zu lassen, aber eigentlich ein Ruderschiff war.
Szene vom Hof in Padua aus der Chronik „Liber de principibus Carrariensibus“ (15. Jahrhundert). Die von der Familie Carrara beherrschte Stadt stritt sich mit Venedig um die Besitzungen auf der terra ferma. · Foto: Bridgeman Images / DeAgostini Picture Library / NPL
An sich hatte das nur Nachteile: Man brauchte für die Bemannung allein fast 200 Ruderer, die natürlich versorgt und bezahlt werden mussten und deren Anwesenheit den Stauraum für den Gütertransport massiv reduzierte. Darüber hinaus waren die langen und schmalen Schiffe mit geringem Tiefgang bei rauer See hochgradig kentergefährdet.
Vettor Pisani führt die Flotte Venedigs an
Doch all diese Nachteile wurden durch einen entscheidenden Vorteil aufgewogen: Sie blieben auch bei Flaute, die im Mittelmeer zumal im Sommer nicht selten ist, manövrierfähig und waren im Seegefecht reinen Segelschiffen an Beweglichkeit überlegen.
Eine Galeerenflotte, für deren Ausstattung man viele Tausend Mann benötigte, ließ sich natürlich nicht von heute auf morgen aufstellen. Und wenn es den Venezianern bereits wenige Wochen nach der Kriegserklärung gelang, unter Führung des Vettor Pisani über die Genuesen am 30. Juni 1378 bei Anzio an der italienischen Westküste zu triumphieren, so zeigt dies, dass beide Seiten auf den Krieg vorbereitet gewesen waren.
Schon im Jahr darauf wendete sich das notorisch unbeständige Kriegsglück: Am 5. Mai 1379 erlitt Vettor Pisani vor Pola an der östlichen Adriaküste gegen den genuesischen Admiral Luciano Doria eine vernichtende Niederlage; so vernichtend, dass der eben noch gefeierte Volksheld bei seiner Rückkehr nach Venedig vor Gericht gestellt wurde. Die Anklage forderte die Todesstrafe, am Ende wurde Vettor Pisani zu sechs Monaten Gefängnis und fünf Jahren Ausschluss von allen öffentlichen Ämtern verurteilt.
Diese Darstellung einer venezianischen Galeere stammt aus einer um 1490 entstandenen Handschrift des Reiseberichts des Jerusalem-Pilgers Konrad Grünemberg. An der Reling sind kleine Kanonen zu erkennen. · Foto: bpk-Fotoarchiv / Fotograf unbekannt (00021515)
Doch Pisani war weiterhin ungeheuer populär und galt, einem zeitgenössischen Chronisten zufolge, als „Anführer und Vater aller venezianischen Seeleute“. So erregte das Urteil nicht nur öffentliches Aufsehen, sondern sogar Aufruhr – und erwies sich dann aufgrund der sich überschlagenden kriegerischen Ereignisse sehr bald als Makulatur.
Denn nach ihrem Seesieg bei Pola hatten die Genuesen die Gunst der Stunde genutzt und ihrem Erb- und Erzfeind einen Besuch vor der Haustür abgestattet. Am 16. August 1379 nahmen sie das Städtchen Chioggia ein, am Südrand der Lagune von Venedig gelegen. Nie zuvor war es einem bewaffneten Feind gelungen, in diesen innersten Schutzraum Venedigs einzudringen und damit seine Eroberung in den Bereich des Möglichen zu rücken.
Hinzu kam, dass es den Genuesen gelungen war, Bündnisse mit Mächten zu schließen, die schon lange auf die Zerstörung der Lagunenstadt sannen: König Ludwig von Ungarn betrieb eine aktive Expansionspolitik auf dem Balkan, die ihn mit Venedig ebenso oft in Konflikt gebracht hatte wie Francesco da Carrara, als Signore von Padua Venedigs Nachbar im Westen. Eingeschlossen auf allen Seiten, sahen sich die Venezianer nicht nur militärisch bedrängt, sondern auch von Hunger bedroht. Francesco Vanozzo, Hofpoet der Carrara in Padua, höhnte: „Nun bist Du ja tot, auch wenn Du es nicht glaubst, nun hast Du Deinen Lohn, Du Mutter des Betrugs.“
Der Beginn des Chioggia-Kriegs: Die angreifenden Schiffe Genuas zeigen die Flagge des Stadtstaats, ein rotes Kreuz (Miniatur aus der „Lucca-Chronik“ von Giovanni Sercambi, 14./15. Jahrhundert). · Foto: Bridgeman Images / Giancarlo Costa
Der verurteilte Volksheld kommt wieder frei
Unter diesen Umständen kam es zu einschneidenden Maßnahmen und Beschlüssen, unter anderem, den eben erst verurteilten Volkshelden Pisani nur drei Tage nach der Eroberung Chioggias aus dem Gefängnis zu holen und mit der Leitung der Verteidigungsmaßnahmen zu betrauen.
Doch die Lage blieb prekär, bis am 1. Januar 1380 eine zweite venezianische Flotte eintraf, bestehend aus 14 Kriegsgaleeren unter dem Kommando von Carlo Zeno. Der hatte zuvor einen höchst erfolgreichen Kaperkrieg geführt, erst im Tyrrhenischen Meer, gewissermaßen vor der Haustüre Genuas, danach vor Konstantinopel und Beirut. Dann ordnete Zeno einen einmonatigen Zwischenhalt auf der zum venezianischen Seereich gehörenden Insel Kreta an, um die Schiffe zu überholen und die Mannschaften zu ergänzen – angesichts der Kommunikationsbedingungen der Vormoderne dauerte es Monate, bis er von der dramatischen Lageentwicklung in der Heimatstadt erfuhr.
Das Eintreffen Zenos markierte die entscheidende Wende im Chioggia-Krieg. Nicht etwa von einem Tag auf den andern; erst im Juni 1380 gelang den Venezianern die Rückeroberung Chioggias und damit die Bannung der drängendsten Gefahr.
In Erinnerung an das für Venedig wichtige historische Ereignis aus dem 14. Jahrhundert erstellte Paolo Veronese um 1580 das Gemälde „Rückkehr des Dogen Andrea Contarini nach dem Sieg von Chioggia“. Es befindet sich im Dogenpalast in Venedig. · Foto: INTERFOTO / fine art images
Als ein gutes Jahr später am 8. August 1381 mit dem Frieden von Turin der vierte venezianisch-genuesische Krieg sein Ende fand, lasen sich seine Bestimmungen keineswegs als venezianischer Triumph. Wenn in der Folgezeit die Konkurrenz zwischen den beiden Handelsmächten sich nicht mehr in militärischen Auseinandersetzungen niederschlug, so vor allem deswegen, weil Genua, geschwächt durch innere Konflikte, in Abhängigkeit erst von Frankreich, dann von Mailand geriet, ehe der Stadt im 16. und 17. Jahrhundert ein beeindruckendes Comeback als Finanzzentrum von europäischer Bedeutung gelang.
Zu diesem Zeitpunkt war die politische Bedeutung Venedigs in langsamem, aber kontinuierlichem Rückgang begriffen, seit durch die Entdeckung Amerikas und des Seewegs nach Indien die Fernhandelswege einen neuen Verlauf zu nehmen begonnen hatten.
PD Dr. Arne Karsten
lehrt Geschichte der Neuzeit an der Bergischen Universität Wuppertal.
Literatur
Arne Karsten, Geschichte Venedigs. 2. Auflage, München 2023.
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