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Bronzezeit-Schamane war eine Frau
Geschichte & Archäologie

Bronzezeit-Schamane war eine Frau

Im Wiltshire Museum ausgestellte Funde aus dem Hügelgrab von Upton Lowell. · Foto: © Wiltshire Museum

Mehr als 220 Jahre lang galt ein reich geschmückter Toter aus einem englischen Bronzezeitgrab als Goldschmied und Schamane. Die Grabbeigaben und stattliche Größe legten nahe, dass es sich bei dem Toten um eine hochrangige - männliche - Person handeln müsse. Doch jetzt enthüllten DNA-Analysen: Der vermeintliche Schamane von Upton Lowell ist in Wirklichkeit eine Frau. Dies zeigt, dass Frauen damals nicht nur als „Frau von“ einen hohen sozialen Status erhielten.
Autor
Nadja Podbregar
21. Juli 2026
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Als Archäologen im Jahr 1801 einen Grabhügel in der Nähe des Ortes Upton Lowell, unweit des berühmten Stonehenge, untersuchten, stießen sie auf ein Bronzezeitgrab mit ungewöhnlich reicher Ausstattung: Die vor rund 3800 Jahren dort bestattete, rund 1,65 Meter große Person trug einen prächtigen Zeremonialumhang, der mit durchbohrten Tierknochen besetzt war, außerdem eine goldene Halskette, knöcherne Pfeil- oder Speerspitzen und ein Beil aus einem nicht heimischen Gestein. Ein im Grab gefundener, mit Eberzähnen dekorierter Beutel enthielt zudem Goldschmiedeutensilien, darunter kleine Behälter zur Anmischung von Bindemitteln.

Ein Metall-Handwerker und spiritueller Führer

Damit schien klar: Bei dem Bronzezeit-Toten aus Upton Lowell musste es sich um eine hochrangige, höchstwahrscheinlich männliche Person handeln. „Der in Upton Lowell bestattete Tote war ein hochqualifizierter Handwerker, der darauf spezialisiert war, Goldobjekte zu fertigen“, erklärte Lisa Brown, Kuratorin des Wiltshire Museum im Jahr 2022. „Sein zeremonieller Umhang deutet darauf hin, dass er zudem ein spiritueller Anführer war – einer der wenigen Menschen in der frühen Bronzezeit, die die Magie der Metallverarbeitung beherrschten.“

Um mehr über Herkunft des Schamanen von Upton Lowell zu erfahren, ließen die Archäologen DNA-Analysen des Toten durchführen. Erste vorläufige Ergebnisse ergaben, dass dieser Schamane zur Glockenbecherkultur gehörte – einer kupfersteinzeitlichen Kultur, die sich in England bis rund 1800 vor Christus hielt. Sie markiert dort den Übergang zur Bronzezeit. „Die Analyse alter DNA hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten rasant weiterentwickelt. Sie gibt uns nun Antworten auf Fragen, die zuvor offen bleiben mussten“, erklärte Pontus Skoglund vom Francis Crick Institute in London gegenüber der britischen Zeitung „The Guardian“.

Der Schamane war eine Frau

Doch die DNA-Analysen brachten noch etwas anderes ans Licht: Der Schamane von Upton Lowell war in Wirklichkeit eine Frau, wie das Wiltshire Museum nun berichtet. „Zum ersten Mal haben wir damit Belege dafür, dass Frauen damals faszinierende Goldobjekte herstellten“, sagt Museumsdirektor David Dawson in einem Video. Die Schamanin von Upton Lowell beherrschte wahrscheinlich als eine der ersten Personen dieser Gegend die Herstellung von Bronze und Goldobjekten und besaß entsprechende Utensilien dafür. Spuren von Arthrose im rechten Handgelenk stützen die Annahme, dass diese Frau die mit ihr begrabenen Werkzeuge zu Lebzeiten regelmäßig nutzte.

Als Pionierin der Metallverarbeitung hatte die Schamanin auch eine wichtige spirituelle Bedeutung für ihre Gemeinschaft, wie Dawson erklärt. In der späten Glockenbecherkultur konnten demnach auch Frauen eine hohe soziale und zeremonielle Stellung erlangen. Diese Entdeckung widerlegt die Annahme, dass Frauen in reich ausgestatteten Gräbern der Kupfersteinzeit und frühen Bronzezeit zwangsläufig die Ehefrauen wichtiger Männer gewesen sein müssen. Stattdessen konnten die Frauen in diesen Gesellschaften auch durch eigene Fähigkeiten und Verdienste einen hohen Status erlangen.

Quelle: Wiltshire Museum

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