Die Inkastadt Machu Picchu in Peru gilt als ein bedeutendes Zeugnis präkolumbischer Baukunst und gehört seit 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Bauten aus massiven, nahezu fugenlos verbundenen Steinblöcken fügen sich perfekt in das Terrain des fast unzugänglichen Berggrats ein. Selbst die Spanier übersahen bei ihrer Eroberung der Region diese in 2450 Meter Höhe versteckte Stadt zunächst. Der um 1420 fertiggestellte Komplex wurde vermutlich nur sporadisch von den normalerweise in Cusco residierenden Inka-Herrschern genutzt. Untersuchungen von Gräbern in Machu Picchu legen aber nahe, dass Bedienstete dauerhaft in dieser Siedlung wohnten.
Erst in Teilen erforscht ist jedoch die Umgebung von Machu Picchu. Das meist steile Gelände beiderseits des tief eingeschnittenen Urubamba-Flusses ist von dichtem Regenwald bedeckt und daher schwer zugänglich. Dennoch haben Archäologen bereits rund 60 durch ein Wegenetz miteinander verbundene Fundstätten von Inkabauten entdeckt. „Diese Stätten erfüllten verschiedene, dem Hauptkomplex – der sogenannten Llaqta de Machu Picchu – zugeordnete Funktionen“, berichtet Mariusz Ziółkowski, Leiter des Zentrums für Andenstudien an der Universität Warschau. „Sie liegen hauptsächlich am linken Flussufer – es schien daher, dass die Inka ihre städtebaulichen Bemühungen auf diesen Bereich konzentrierten.“

Das jetzt mittels LiDAR kartierte Gebiet liegt nördlich des heutigen Ortes Machu Picchu und der Inkastadt auf der anderen Flussseite. — © Bartłomiej Ćmielewski
Im Regenwald versteckte Inkastraßen, Terrassen und Plattformen
Dies widerlegen nun neu entdeckte Inka-Hinterlassenschaften auch auf der anderen Seite des Urubamba-Flusses. Die Archäologen unter Leitung von Ziółkowski und Bartłomiej Ćmielewski von der Universität Warschau hatten im Juli und August 2026 ein Gebiet nördlich des Flusses mittels LiDAR erkundet. Dieses an den Hängen des Yanatin-Berges in 2000 bis 2700 Meter Höhe gelegene Gelände ist steil und dicht bewaldet, was den Zugang zu Fuß erschwert. Das Team nutzte daher eine mit den Laserscanning-Instrumenten bestückte Drohne, um unter dem Blätterdach des Regenwalds verborgene Strukturen aufzuspüren.
Tatsächlich wurden die Archäologen fündig: Die LiDAR-Aufnahmen enthüllten mehrere zuvor unerkannte Straßen aus präkolumbischer Zeit. Diese größtenteils mit Steinen gepflasterten Straßen entsprechen in ihrer Bauweise den klassischen Inkastraßen, wie das Team berichtet. Allerdings könnte es durchaus sein, dass zumindest einige dieser Wege schon von Vorgängern der Inkas angelegt und dann von diesen ausgebaut wurden. Das Netz der bisher in diesem Gebiet identifizierten Straßen ist rund 2,5 Kilometer lang. Die Forschenden gehen aber davon aus, dass sich im erkundeten Gebiet noch mehr solcher Straßen verbergen könnten. „Die Auswertung der LiDAR-Daten erfordert langwierige Analysen mithilfe komplexer Software, weshalb wir bislang nur die erste Phase der Analyse abgeschlossen haben“, erklärt Ziółkowski.

Diese LiDAR-Aufnahme zeigt einen Ausschnitt einer der neu entdeckten Inkastraßen. — © Bartłomiej Ćmielewski
Umfeld von Machu Picchu war stärker bebaut als bislang angenommen
Schon diese ersten Analysen zeigten neben den Straßen auch weitere Bauten aus der Inkazeit, darunter an die Hänge gebaute Plattformen und Terrassen sowie einige kreisförmige Strukturen.
Zusammen legen diese Funde nahe, dass die Landschaft rund um Machu Picchu zur Zeit der Inkas stärker erschlossen und besiedelt war als lange angenommen. Demnach gab es nicht nur im unmittelbaren Umfeld von Machu Picchu Straßen und Siedlungen, sondern auch jenseits des von einer Biegung des Flusses Urubamba eingerahmten Areals. „Die von uns entdeckten Wege verändern das bisherige Bild: Sie zeigen, dass auch die andere Flussseite während der Inka-Zeit genutzt und kulturell überformt wurde“, sagt Ziółkowski. „Diese Entdeckung erweitert und revidiert damit Hypothesen zur Funktion dieses gesamten Komplexes.“
Noch haben die Archäologen aber erst damit begonnen, die Gebiete am rechten Ufer des Flusses genauer zu erkunden. Sie wollen daher ihre LiDAR-Kartierung in der nächsten Saison fortsetzen. „Im Rahmen der Forschungskampagne im kommenden Jahr ist es unser vorrangiges Ziel, die Fernerkundung abzuschließen“, sagt Ziółkowski. „Darauf aufbauend planen wir Geländeuntersuchungen, die zumindest eine teilweise Ausgrabung dieser Wege sowie der dazugehörigen Strukturen umfassen.
Quelle: Universität Warschau





