Die Inkastadt Machu Picchu gilt als ein Wunder der menschlichen Baukunst und ist seit 1983 ein UNESCO-Weltkulturerbe. Die aus massiven, nahezu fugenlos zusammengefügten Steinblöcken errichteten Bauten fügen sich perfekt in das Terrain des fast unzugänglichen Berggrats in den peruanischen Anden ein. Selbst die Spanier übersahen bei ihrer Eroberung der Region diese in 2450 Meter Höhe versteckte Stadt zunächst.
Diskrepanzen in der Inka-Chronologie
Wenn es um die Datierung der Inkastadt und ihrer Errichtung ging, orientierten sich Archäologen bisher primär an historischen Aufzeichnungen der spanischen Eroberer, darunter vor allem der 1586 erstellten Chronik von Cabello de Balboa. Nach dieser war Machu Picchu einer der königlichen Niederlassungen des Inkaherrschers Pachacuti. Dieser ergriff im Jahr 1438 die Macht und eroberte in der Folge nach und nach einen Großteil der zentralen Andenregion, darunter auch das Urubamba-Tal, über dem Machu Picchu lag. Um seinen Sieg zu zementieren, soll Pachacuti dann zwischen 1440 und 1450 den Bau der Bergsiedlung in Auftrag gegeben haben.
Inzwischen allerdings werfen Radiokarbondatierungen einiger anderer Inkastätten Zweifel an den auf Basis der spanischen Überlieferungen aufgestellten zeitlichen Abläufen auf. Für Machu Picchu fehlten bisher allerdings verlässliche Datierungen. “Der Mangel an solchen Radiokarbonmessungen hing auch mit der weitverbreiteten Ansicht vieler Archäologen zusammen, dass solche Analysen überflüssig seien, weil ja die spanischen Aufzeichnungen die Datierung von Inkastätten wie Machu Picchu ermöglichten”, erklären Richard Burger von der Yale University und seine Kollegen.
Machu Picchu war schon 1420 fertig
Um die Diskrepanzen zu klären, haben die Archäologen nun die Beschleuniger-Massenspektrometrie-Radiokarbondatierung (AMS) genutzt, um die sterblichen Überreste von 26 in Machu Picchu bestatteten Inkas zu datieren. “Die in den Grabhöhlen von Machu Picchu bestatteten Toten zeigen wenig Merkmale schwerer körperlicher Arbeit wie der Landwirtschaft oder dem Bau”, berichten Burger und sein Team. Sie gehen daher davon aus, dass diese Toten zu den Palastbediensteten gehörten, die den Inkaherrscher und die Eliten von Cuzco während deren Aufenthalt versorgten und sich in deren Abwesenheit um das Anwesen kümmerten. Das bedeutet aber auch, dass diese Menschen wahrscheinlich erst nach Fertigstellung der Inkastadt auf den Berg kamen.
Die Datierungen ergaben, dass die Toten in der Zeit von 1420 bis 1530 gestorben und bestattet worden waren. Der Palast von Machu Picchu muss demnach schon ab 1420 fertig und bewohnt gewesen sein, so die Archäologen. Das aber widerspricht der bisher gängigen Chronik der Inka und des Herrschers Pachacuti: Wenn dieser erst 1438 die Macht ergriff, kann er nicht schon 1420 Machu Picchu fertig gebaut haben. “Die Thronbesteigung von Pachacuti und seine Eroberungen müssen demnach mindestens zwei Jahrzehnte vorverlegt werden”, konstatieren Burger und seine Kollegen. “Das stimmt auch mit den Schlussfolgerungen anderer Inkaforscher auf Basis von Radiokarbondatierungen aus Cuzco überein.”





