Der Denar war ab 211 vor Christus die gängigste Silbermünze in den römischen Territorien. Während der römischen Republik bestanden diese Münzen noch aus nahezu reinem Silber und hatten einen Wert von zehn bis 16 Bronzemünzen. Später sank der Silbergehalt. Zeitweise erhielten die Denare einen gezähnten Rand, sogenannte Serrati, deren Funktion heute umstritten ist. Einige Historiker vermuten, dass dies nachweisen sollte, dass die Münze aus Silber bestand, andere sehen darin eher einen Schutz vor dem wertmindernden Beschneiden der Münze oder eine rein dekorative Funktion.
Anders als die häufiger in Deutschland gefundenen Silbermünzen aus der Zeit des römischen Kaiserreichs sind Denare aus der Ära der römischen Republik seltener – insbesondere im Nordosten Deutschlands. In Sachsen-Anhalt waren solche republikanischen Silberdenare bislang nur als Einzelfunde oder aus Ankäufen bekannt.
Fünf Silberdenare aus der Zeit um 148 bis 79 vor Christus
Jetzt wurde erstmals ein Hort von Silberdenaren aus der römischen Republik auch in Sachsen-Anhalt entdeckt. Aufgespürt hat ihn ein ehrenamtlicher Helfer des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt bei einem Sondengang in Halle an der Saale. Dabei stieß er auf fünf eng beieinander liegende Silbermünzen, die vermutlich einst in einer kleinen Börse im Boden vergraben wurden. Ihr Behältnis ist nicht erhalten. Nähere Untersuchungen ergaben, dass einer dieser Silberdenare um 148 vor Christus geprägt wurde, die vier anderen stammen aus der Zeit zwischen 82 und 79 vor Christus. Damit besteht der Hort ausschließlich aus Denaren aus der römischen Republik.
„Somit stellt der Neufund in Halle nach derzeitigem Kenntnisstand den ersten kleinen Hortfund republikanischer Denare in Sachsen-Anhalt dar“, erklärt das Landesamt. Wann diese Silberdenare in diese Region im damaligen „Barbaricum“ gelangten, ist unklar. Die fünf Münzen weisen deutliche Gebrauchsspuren auf und waren demnach schon länger im Umlauf. Gleichzeitig könnte das Fehlen kaiserzeitlicher Münzen darauf hindeuten, dass sie um das Jahr null oder wenig später in diese Gegend gelangten. Denn republikanische Denare blieben auch im römischen Kaiserreich und bis in das erste Jahrhundert gültig. Wären die Münzen erst deutlich später als um die Zeitenwende in die Region gelangt, würde man eine Vermischung mit kaiserzeitlichen Münzen erwarten, wie die Archäologen erklären.
Getauscht, gehandelt oder von Soldaten mitgebracht
Der Fund der römischen Silbermünzen in Halle gibt nun neue Einblicke in die Beziehungen zwischen dem römischen Reich und den Gesellschaften im Barbaricum. Da im Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts damals noch keine Geldwirtschaft bestand, zirkulierten die Denare vermutlich nicht als Zahlungsmittel im römischen Sinne. Dass sie dennoch bis hierher gelangten, spricht dafür, dass ihnen auch im Barbaricum ein materieller und vermutlich auch sozialer Wert beigemessen wurde. Die Münzen könnten laut Landesamt im Rahmen des antiken Fernhandels, durch Subsidienzahlungen, diplomatische Geschenke sowie Weitergaben innerhalb germanischer Netzwerke ins Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts gelangt sein.
Denkbar wäre aber auch, dass diese Silberdenare durch römische Soldaten nach Mitteldeutschland gebracht wurden. Denn die Römer führten um die Zeitenwende herum wiederholt Feldzüge durch, bei denen sie bis nach Sachsen-Anhalt vorstießen. Historische Aufzeichnungen und Münzfunde legen nahe, dass es solche Vorstöße unter den römischen Feldherren Drusus und Ahenobarbus im letzten Jahrzehnt vor Christus sowie unter dem späteren Kaiser Tiberius um fünf nach Christus gab. „Der Fund aus Halle erweitert den bisherigen Kenntnisstand zur Verbreitung republikanischer Silbermünzen in Mitteldeutschland und zeigt, dass auch kleine Hortfunde einen Beitrag zum Verständnis der Beziehungen zwischen dem Römischen Reich und den Gesellschaften jenseits seiner Grenzen leisten können“, erklärt das Landesamt.
Quelle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt





