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Tschechischer Steinkreis ist 1000 Jahre älter als Stonehenge
Geschichte & Archäologie

Tschechischer Steinkreis ist 1000 Jahre älter als Stonehenge

Eine 6500 Jahre alte Kreisanlage in Tschechien diente Menschen der Jungsteinzeit als Ritualort und astronomischer Kalender. · Foto: © Westböhmische Universität/ ChatGPT

In Tschechien haben Archäologen eines der ältesten und größten Steinzeit-Heiligtümer Mitteleuropas entdeckt: eine 230 Meter große Kreisanlage mit Ringgraben und astronomisch ausgerichteten Portalen. Die monumentale Anlage ist 6500 Jahre alt und damit 1000 Jahre älter als das berühmte Stonehenge. An den Eingangsportalen gefundene Stierschädel und -hörner legen nahe, dass die Kreisanlage auch ein Ritualort für den damals in dieser Region verbreiteten Stierkult war.
Autor
Nadja Podbregar
27. August 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Während der Jungsteinzeit begannen Menschen an vielen Orten West- und Mitteleuropas, monumentale, kreisförmige Heiligtümer zu errichten. Oft waren die Megalith-Steinkreise und Kreisgrabenanlagen nach astronomischen Gesichtspunkten ausgerichtet: Markante Tore oder Sternmarker kennzeichneten die Positionen am Horizont, an denen die Sonne während der Sonnenwenden auf- und unterging. Das bekannteste Beispiel für eine solche Kombination aus Heiligtum und Kalender ist das gut 5000 Jahre alte Stonehenge im Südwesten Englands.

230 Meter große Kreisanlage mit zwölf Toren

Doch in Mitteleuropa gab es schon lange vorher ein monumentales Steinzeit-Heiligtum: Im tschechischen Chleby haben Archäologen eine große Kreisanlage entdeckt, die bereits 6500 Jahre alt ist – mindestens 1000 Jahre älter als Stonehenge. Die Anlage von Chleby hat einen Durchmesser von 230 Metern und ist von einem 2,50 Meter tiefen Ringgraben umgeben. Durch diesen führen zwölf in unregelmäßigen Abständen positionierte Eingänge in das Innere des Heiligtums. „Solche kreisförmigen Anlagen aus dieser Zeit waren zuvor in unserer Region völlig unbekannt, - allein das macht diesen Fund bereits außergewöhnlich“, erklärt Petr Krištuf von der Westböhmischen Universität in Pilsen.

Kreisanlage

Die steinzeitliche Kreisanlage von Chleby ist 230 Meter groß und von einem tiefen Ringgraben umgeben. — © Westböhmische Universität

Ähnlich wie Stonehenge war auch die Kreisanlage von Chleby ein Ort, an dem die Menschen zusammenkamen, um rituelle Feste und Zeremonien durchzuführen, wie die Archäologen berichten. Hinweise darauf geben auch Funde von Stierschädeln und Stierknochen im Ringgraben nahe der Eingangsportale. „Wir vermuten, dass sie ursprünglich die monumentalen Tore zierten, die in die Anlage führten“, sagt Jan Turek von der Karlsuniversität Pilsen. „Der Stierkult war bei den ersten Bauernkulturen sehr verbreitet und ist aus vielen Regionen des prähistorischen Europas bekannt.“

Ausgerichtet auf wichtige Positionen von Sonne und Mond

Doch das ist noch nicht alles: „Als wir die Positionen der Eingänge im Detail analysierten, wurde klar, dass sie nicht zufällig verteilt sind“, berichtet Krištuf. „Ihre Geometrie bildet ein System, durch das die Menschen die wichtigsten Phasen der Sonnen- und Mondzyklen beobachten konnten.“ Eine von den Portalen gebildete Sichtlinie verbindet den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende mit dem Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende. Eine zweite Sichtlinie zeigt auf die Horizontstellen, die die äußersten Grenzen der Mondpositionen im Verlauf des 18-jährigen Mondzyklus markieren.

„Für prähistorische bäuerliche Gemeinschaften symbolisierte die Verbindung zwischen Sonnenaufgang und Sommersonnenwende einen Anfang, während Sonnenuntergang und Wintersonnenwende für ein Ende standen“, erklärt Krištuf. „Dasselbe Prinzip lässt sich an der Hauptachse von Stonehenge beobachten. Nun erkennen wir, dass die Kultstätte von Chleby nach einem ähnlichen Muster angelegt war – allerdings mehr als tausend Jahre früher, wie wir anhand der Datierung organischen Materials festgestellt haben.“

Ausgrabung

Ausgrabungen in einem Teil des Ringgrabens. — © Westböhmische Universität

So ging es weiter: Bronzezeitgrab und eisenzeitliche Siedlung

Die Ausgrabungen liefern auch erste Hinweise darauf, wie sich die Kreisanlage von Chleby im Laufe der Zeit weiterentwickelt hat. „Während Stonehenge wiederholte Phasen erneuter Nutzung erlebte und bis heute beispielsweise mit keltischen Druiden in Verbindung gebracht wird, deuten die ersten Ergebnisse aus Chleby auf eine gegenteilige Entwicklung hin“, berichtet Krištuf. „Spätestens in der Eisenzeit scheint das Monument seine ursprüngliche Bedeutung endgültig verloren zu haben. Der Graben wurde nach und nach verfüllt, und an der Stelle des ehemaligen Heiligtums entstand eine gewöhnliche Siedlung.“

Im Ringgraben des Steinzeit-Heiligtums entdeckten die Archäologen auch menschliche Relikte: ein Grab mit 18 Toten. Sie stammen aus der bronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur, die vor 4300 bis 3500 Jahren im Norden Tschechiens verbreitet war. Ob die Kreisanlage zu dieser Zeit noch als Ritualort diente, ist noch unklar. „Neben den Überresten der Verstorbenen und ihren Objekten hinterlassen Menschen auch chemische Spuren im Boden. Diese können uns helfen zu verstehen, wie dieser außergewöhnliche Fundort in verschiedenen Epochen der Vorgeschichte genutzt wurde“, erklärt Jan Fišer von der Universität Hradec Králové.

Quelle: Westböhmische Universität

ChlebyJungsteinzeitKreisanlageSonnenwendeSteinzeit-Heiligtum
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