Rudolf Gruber
Der über 500 Jahre alte Behaim-Globus zeigt noch eine andere Welt, als wir sie kennen – sie bestand nur aus Europa, Afrika und Asien. Der Doppelkontinent Amerika fehlt. Das Bild rechts zeigt: Zwischen Japan (links unten) und Europa sowie Afrika ist nur Ozean zu sehen. Der Erbauer Martin Behaim (1459–1507) hatte aber auch großes Pech: Als er 1492 mit der Herstellung begann, brach Christoph Kolumbus gerade zu seiner berühmten Atlantiküberquerung auf, bei der er die Neue Welt entdecken sollte.
Der Behaim-Globus widerspiegelt also nur das damalige, von Wissenschaftlern, Seefahrern und Kartographen gesammelte Wissen. Doch im Zeitalter der Entdeckungsreisen war jede Information über unbekannte Länder, Regionen und Kulturen nützlich. Die Behaim-Kugel bot neben geographischen und geologischen Fakten auch interessante Hinweise für Kaufleute, etwa zu den Fundstätten von exotischen Gewürzen, edlen Hölzern, Perlen und Rohstoffen. Auch über Menschen – deren Kultur und Lebensart – wird informiert, samt Mythen und Schauergeschichten über Seeungeheuer und Fabelwesen. Vieles davon ist auf rund 200 Miniaturbildern dargestellt.
Als wichtigste Informationsquellen dienten Behaim der venezianische Weltreisende Marco Polo (1254–1324), namentlich für den asiatischen Kontinent, sowie die im 14. Jahrhundert zusammengestellten Reiseerzählungen eines gewissen Jean de Mandeville. Behaim selbst forschte eifrig in antiken und zeitgenössischen Quellen. Der Nürnberger Kaufmann war leidenschaftlicher Seefahrer und deshalb extra nach Portugal ausgewandert, um an Handels- und Entdeckungsreisen teilzunehmen. Deshalb konnte er auf seinem Globus die Westküste Afrikas mit erstaunlicher Präzision nachzeichnen.
Längst als exzellenter Seehandelsexperte bekannt, kehrte Behaim für eine Weile nach Nürnberg zurück. Hier erhielt er vom Stadtrat eine finanzielle Zusage zur Herstellung seines Globus. Er wollte mit dessen Hilfe wohl die Vorteile einer Schiffsexpedition über den Atlantik nach Indien demonstrieren und die Kaufleute der Stadt als Investoren für ein solches Projekt gewinnen.
Martin Behaim bezeichnete seinen Globus als „Erdapfel“. Der Apfel war im Mittelalter eine gängige Metapher für die Erde als Kugel – und auf der gibt es mehr Kontinente als Behaim dachte.
Info
Für den Behaim-Globus lieferte ein Glockengießer eine gebrannte Lehmkugel von 51 Zentimetern Durchmesser, die in zwei hohle Halbkugeln geteilt wurde. Die Oberflächen wurden mit vier Lagen Leinen bespannt und verleimt, danach mit mehreren Schichten Pergament und Papier überzogen und beide Hälften wieder zusammengesetzt. Ein Buchmaler und ein Schreiber gestalteten gemeinsam mit Behaim die Oberfläche. Mit Gestell ist der Globus 1,33 Meter groß.





