Die Liebesgeschichte endete tragisch. Mit einem Blumenstrauß als Tarnung hatte sich der abgelegte Liebhaber am Dienstmädchen vorbei Zugang zum Schlafzimmer verschafft. Von der Angebeteten erneut zurückgewiesen, griff er zur Waffe – und traf mit dem zweiten Schuss aus seinem Browning-Revolver mitten ins Herz der wehrlos im Bett liegenden Frau. Dann richtete sich der Mörder unverzüglich selbst – in Frack und Zylinder, zu ihren Füßen, mit fünf Schüssen in die Brust. Das bühnenreife Ende der Affäre des Kapellmeisters Aloys Obrist mit der gefeierten „Königlich-Württembergischen Kammersängerin“ Anna Sutter am Vormittag des 29. Juni 1910 in Stuttgart war sogar der „New York Times“ eine Meldung wert.
Den Verbleib seiner 154 historischen Musikinstrumente hatte Obrist, der auch Musikwissenschaftler war und der Neuen Bachgesellschaft angehörte, vor seinem Freitod nicht mehr bestimmt. Dieser Umstand sollte sich als ein Glücksfall für das erst wenige Jahre zuvor gegründete Bachhaus erweisen. Denn über Obrists Bruder Hermann, Künstler und einer der Begründer des deutschen Jugendstils, der alle anderen Anfragen ignorierte und ganz „auf die Stimme der Pietät und der Liebe zu der Geistesarbeit“ hörte, gelangte die begehrte Sammlung Obrist als Schenkung nach Eisenach. Damit avancierte das Bachhaus, so der heutige Direktor Dr. Jörg Hansen, von der Gedenkstätte zu einem „veritablen Musikinstrumentenmuseum“.

Der Komponist auf einem Porträt des Dresdner Malers Johann Emanuel Goebel (1720–1759). · Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach
Fast 900 historische Instrumente umfasst das Repertoire derzeit. Darunter ist auch so manches Kuriosum, wie eine Glasharmonika von ca. 1775 oder die zu den Publikumsfavoriten zählende Trompetengeige aus der Zeit vor 1717. Im Jahr 2025 konnte noch – wiederum mithilfe einer außergewöhnlichen Spende – der Marc-Aurel-Hett-Saal eröffnet werden. Er widmet sich exklusiv der Geschichte der Entwicklung der Blasinstrumente.
Getreu dem Motto des zweiten Museumsdirektors Conrad Freyse „Im Bachhaus darf die Musik nicht schweigen“ und dank der Innovation der früheren Direktorin Ilse Domizlaff erklingt seit 1973 im Museum regelmäßig Livemusik. Stündlich (ja, stündlich!) finden im historischen Instrumentensaal kleine Konzerte statt. Uwe Fischer ist einer der Musikpädagogen, die beispielsweise die beiden barocken Hausorgeln, ein Querspinett von Johann Heinrich Silbermann, das Clavichord von 1770 sowie ein rekonstruiertes Harraß-Cembalo fachkundig erläutern und bespielen. Bach selber, erklärt Fischer, soll 19 Instrumente besessen haben, die allesamt als verschollen gelten.







