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Archäologen finden 11.000 Jahre alten „Leopardenreiter“ in Karahan Tepe
Geschichte & Archäologie

Archäologen finden 11.000 Jahre alten „Leopardenreiter“ in Karahan Tepe

Die in Karahan Tepe entdeckte Steinfigur des „Leopardenreiters“ ist rund 11.000 Jahre alt. · Foto: © Türkisches Ministerium für Kultur und Tourismus

Die Steinzeit-Anlage von Karahan Tepe in der Türkei ist für ihre teils übermannshohen Steinpfeiler und ungewöhnlichen Tier- und Menschenfiguren bekannt. Jetzt haben Archäologen dort eine weitere, 11.000 Jahre alte Steinfigur entdeckt. Die 70 Zentimeter hohe Statue zeigt einen Menschen, der auf dem Rücken eines Leoparden sitzt. Stil und Motiv seien bislang einzigartig, sagte der türkische Kulturminister bei der Vorstellung des Funds.
Autor
Nadja Podbregar
01. September 2026
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Die Region Şanlıurfa im Südosten der Türkei war vor rund 12.000 Jahren Teil Mesopotamiens und ein Zentrum kultureller Entwicklung. Dort liegt das berühmte Steinzeit-Heiligtum Göbekli Tepe, das als ältestes Monumentalbauwerk der Welt gilt. Meterhohe Steinpfeiler, verziert mit Tierfiguren bilden dort insgesamt 20 Steinkreise.

250 Steinpfeiler, „Penismann“ und eine neue Figur

Doch diese Anlage war kein Solitär: Rund 60 Kilometer südöstlich von Göbekli Tepe liegt ein weiteres, fast gleichaltes Steinzeitbauwerk, das nicht weniger monumental und rätselhaft ist: das um 9750 vor Christus erbaute Karahan Tepe. Archäologen haben dort rund 250 in Reihen und Kreisen aufgestellte Steinpfeiler desselben Stils wie in Göbekli Tepe entdeckt, außerdem mehrere Steinfiguren von Tieren, aber auch von einem nackten Mann mit beiden Händen an seinem Penis. Welche Bedeutung diese Figur hatte, ist unklar. Es könnte sich aber um eine Kombination aus Ahnenkult und Symbol der Stärke und Dominanz handeln.

Jetzt gibt es einen neuen Fund aus Karahan Tepe. Bei Ausgrabungen in diesem Jahr haben Archäologen in einem rund drei Meter großen Rundbau dieser Steinzeit-Fundstätte eine weitere Steinfigur entdeckt. Entdeckt wurde sie auf einer steinernen Bank entlang der Innenwand dieses Bauwerks, dessen Boden mit Steinplatten gepflastert war. „Die 70 Zentimeter hohe Statue zeigt einen Menschen, der auf dem Rücken eines Leoparden sitzt“, berichtet der türkische Kulturminister Mehmet Nuri Ersoy. Stil und Ausführung dieser rund 11.000 Jahre alten Statue seien bislang einzigartig.

Statue am Fundort

Die Steinstatue am Fundort. — © Türkisches Ministerium für Kultur und Tourismus

Leopardenreiter als Symbol von Stärke und Mut?

Es ist nicht das erste Mal, dass in Karahan Tepe eine Kompositstatue aus Leopard und Mensch gefunden wurde – allerdings zeigte der frühere Fund die umgekehrte Anordnung: Archäologen haben vor einigen Jahren die steinerne Figur eines Mannes entdeckt, dem ein Leopard auf dem Rücken sitzt. Auch einzelne Darstellungen von Leoparden sind aus Karahan Tepe bereits bekannt. Die großen Raubkatzen kamen in dieser Region zur Zeit dieser Steinzeit-Heiligtümer noch vor. Archäologen vermuten daher, dass die Leoparden damals als Verkörperung von Gefahr, Stärke und Dominanz galten.

Die Darstellung eines Leopardenreiters ist jedoch neu. Aber auch dies könnte als Symbol von Stärke und Dominanz gedeutet werden, wie Archäologen erklären: Wer Leoparden besiegte oder seinem Willen unterwarf, bewies Mut und Stärke. Zusammen mit dem „Penismann“ deutet der „Leopardenreiter“ darauf hin, dass in der Kultur, die Karahan Tepe und Göbekli Tepe schuf, Kraft, Potenz und männliche Stärke eine besondere Rolle spielten. „Diese Entdeckung wirft neue Fragen zu den frühesten Epochen der Menschheitsgeschichte auf“, sagte Ersoy. „Ich bin davon überzeugt, dass der Fund in der wissenschaftlichen Welt ein breites Echo hervorrufen wird.“

Quelle: Mitteilung des Türkischen Ministeriums für Kultur und Tourismus

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