“Göbekli Tepe ist ein archäologisches Wunder”, sagt Gopher. Ausgrabungen an dem Fundort im Südosten der Türkei haben in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass dort rund 6000 Jahre vor Stonehenge bereits eine Monumentalanlage gestanden hat. Es handelte sich um breite, ringförmige Strukturen, von denen die größten einen Durchmesser von 20 Metern besaßen. Sie wurden aus bis zu 5,5 Meter hohen und bis zu 20 Tonnen schweren Steinpfeilern gebildet, die teilweise reich dekoriert waren. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Monumentalanlage den Menschen als Versammlungsort für Rituale sowie zum Austausch diente.
Von Jägern und Sammlern errichtet
Datierungen zufolge wurden die Strukturen auf dem Bergplateau vor etwa 11.500 bis 11.000 Jahren erbaut. Sie entstanden somit in einer Zeit, bevor in dieser Region aus Jägern und Sammlern sesshafte Ackerbauern wurden. „Da es keine Beweise für Ackerbau oder Tierhaltung gibt, geht man davon aus, dass die Stätte von Jägern und Sammlern erbaut wurde. Die architektonische Komplexität der Strukturen ist somit höchst ungewöhnlich”, sagt Gopher.
Die meisten Forscher gehen davon aus, dass die Teile der Anlage nach und nach errichtet wurden. Doch bisher wurde kaum systematisch hinterfragt, ob sich Hinweise auf eine architektonische Planung abzeichnen, sagen Haklay und Gopher. Sie haben deshalb nun eine Computeranalyse der Baustrukturen durchgeführt, um mögliche Spuren architektonischer Entwurfsprozesse aufzudecken, die beim Bau der steinzeitlichen Kultstätte eine Rolle gespielt haben könnten. “Wir haben einen Algorithmus als analytisches Werkzeug verwendet, der geometrische Muster in Grundrissen identifizieren kann“, sagt Haklay.

Geometrische Muster zeichnen sich ab
Wie sie berichten, wurde ihr System fündig: Drei der monumentalen Kreisstrukturen des Göbekli Tepe weisen demnach zusammenhängende geometrische Muster auf. Offenbar wurden bestimmte Gesetzmäßigkeiten und gleiche Ausrichtungen beim Bau beachtet. Unter anderem bilden die Zentren der drei Kreise bei ihrer Verbindung ein gleichseitiges Dreieck. “Das Layout der Anlage ist durch räumliche und vermutlich symbolische Hierarchien gekennzeichnet”, resümiert Haklay. Die Forscher sehen darin auch einen Hinweis darauf, dass die drei Strukturen als ein einziges Projekt geplant und gebaut wurden.





