In Zusammenarbeit mit Kollegen von den National Museums of Kenya in Nairobi entnahmen die Forscher jeweils 2 Milligramm Probenmaterial aus dem Schmelz von 24 Paranthropus-boisei-Zähnen. Darin bestimmten sie die Mengenverhältnisse der Kohlenstoff-Isotopen. Sie sind ein im Zahnschmelz konserviertes Abbild dessen, was das Individuum während seines Lebens gegessen hat: ob vorwiegend Produkte sogenannter C3-Photosynthese-Pflanzen ? etwa Kräuter oder Teile von Bäumen oder Büschen mit ihren Nüssen und Früchten ? oder ob Gewebe von C4-Photosynthese-Pflanzen, zum Beispiel von tropischen Gräsern und Seggen. Zu den Seggen, die häufig Standorte in Wassernähe bevorzugen, gehört beispielsweise Papyrus.
Das Ergebnis ihrer Analyse überraschte die Arbeitsgruppe: durchschnittlich 77 Prozent C4. Die Zusammensetzung der Kohlenstoff-Isotopen im Zahnschmelz von Paranthropus boisei unterscheidet sich somit fundamental von der aller anderen lebenden oder ausgestorbenen Hominiden ? mit einer einzigen Ausnahme: Die ausgestorbene, Gras fressende Pavian-Art Theropithecus oswaldi weist ein ähnliches Isotopenverhältnis auf. Die Analysedaten des ? angeblichen ? Nußknackermenschen ließen sich nicht unterscheiden von denen bei grasenden Tieren wie Zebras oder Nilpferden, sagt Cerling: ?Sie waren Nahrungskonkurrenten, sie aßen am selben Tisch.?
Der US-Forscher erwartet erhebliche Konsequenzen seiner Studie auf die künftige Untersuchung des vor- und frühmenschlichen Ernährungsverhaltens: ?Ein großer Teil der bisherigen Arbeiten befasste sich nur mit Größe und Form der Zähne, ergänzt durch Analysen des Mikro-Abriebs auf den Kauflächen.? Auch bei anderen Hominiden-Arten hält er nun eine Überprüfung früherer ? und womöglich unzutreffender ? Schlussfolgerungen durch eine Isotopen-Analyse für angebracht.





