Dabei steuert der Fernsehjournalist markante Schauplätze in Deutschland an und zeigt jeweils eine Momentaufnahme der einstigen Tiere und Pflanzen. Er gerät in einen Vulkanausbruch, der vor 290 Millionen Jahren einen Wald bei Chemnitz umwarf, beobachtet, wie in einem Schlammloch im baden-württembergischen Trossingen vor etwa 100 Millionen Jahren tonnenschwere Dinosaurier ertrinken, und landet am einstigen See der Grube Messel, wo vor 50 Millionen Jahren die ersten scheuen Säugetiere lebten.
Bei solchen Höhenflügen droht der Absturz: Die gezeichneten Urlandschaften könnten leicht zu Science-Fiction-Kitsch verkommen, denn in der Erdgeschichte liegt Vieles im Dunkeln. Wer sich da nah heranwagt, muss aufpassen, dass er nicht ins wilde Spekulieren verfällt. Doch Arzt umschifft mit seinem Ballon souverän alle Tücken. Er sieht stets die Grenze zwischen Erkenntnis und Spekulation. Und er landet immer wieder sanft auf dem Boden der Gegenwart, wo er Wissenschaftler trifft und Fossilienfundstätten besucht.
Besonders eindrucksvoll ist die Schilderung der Kraftanstrengung von Pflanzen und Tieren, um den Sprung vom Wasser aufs Land zu schaffen. Arzt nennt einleuchtende Gründe dafür, die auf der Höhe der wissenschaftlichen Forschung sind.
Das Buch ist ein Musterbeispiel gelungener populärwissenschaftlicher Darstellung. Der Leser lernt die deutschen Fossilienfundstätten von Solnhofen bis zum Ägidienberg-Tunnel auf der ICE-Trasse Köln-Frankfurt hautnah und detailliert kennen. Am Ende des Buchs hat er ein Gefühl dafür bekommen, was in den riesigen Zeiträumen der Erdgeschichte an revolutionären biologischen und geologischen Entwicklungen vor sich ging.
Klaus Jacob, freier Journalist für Geowissenschaften in Stuttgart





