Waren die Jamnaja schuld?
Dieser Wandel könnte nach Ansicht einiger Forscher mit einer damaligen Einwanderung der Jamnaja verbunden gewesen sein, einem aus Zentralasien und der Kaukasusregion stammenden Reiternomadenvolk. Archäologische Funde zeigen, dass Grabhügel dieser Kultur etwa um 3.000 vor Christus auch im unteren Donautal errichtet wurden. Die Jamnaja müssen demnach relativ weit nach Westen vorgedrungen sein. Genetische Studien heutiger Europäer lieferten erste Indizien dafür, dass sich die Jamnaja sogar bis weit nach Mitteleuropa hinein ausbreiteten und bis heute ihre Gene in den dortigen Populationen hinterließen. Nach Meinung einiger Linguisten spricht zudem einiges dafür, dass dieses Reitervolk aus der eurasischen Steppe sogar die Urform der Indoeuropäischen Sprache mitbrachte. Ob aber die Jamnaja tatsächlich die Urheber des Bronzezeit-Wandels in Europa waren und ob sie wirklich in Massen nach Westen einwanderten, blieb bisher umstritten. Um die Ereignisse in der Bronzezeit aufzuklären, haben Kristiansen und seine Kollegen nun in der DNA von Vertretern der damaligen Völker nach Spuren gesucht. In der bisher umfangreichsten Analyse historischen Erbguts sequenzierten sie die DNA von 101 Toten, die während der Bronzezeit in Europa und Zentralasien lebten.
Und tatsächlich: Die Genanalysen sprechen nach Angaben der Forscher dafür, dass viele Veränderungen in der europäischen Bronzezeit schlicht das Resultat massiver Einwanderung waren. So besaßen die mitteleuropäischen Schnurkeramiker auffallend viele genetische Gemeinsamkeiten mit den Jamnaja. Diese Kultur muss daher durch massive Einwanderung der Reiternomaden und deren Vermischung mit den dort ansässigen Bauern entstanden sein, wie Kristiansen und seine Kollegen erklären. Gleichzeitig erwies sich auch eine damals am Altai in Sibirien ansässige Kultur als eng verwandt mit den Jamnaja. “Die Migrationen der Jamnaja resultierten demnach in einem Genfluss über gewaltige Distanzen”, sagen die Forscher. “Ihr Einfluss reichte vom Altai in Sibirien bis in das Skandinavien der frühen Bronzezeit.” Das spreche dafür, dass auch die indoeuropäische Sprache ihren Ursprung in diesem Steppenvolk haben könnte.
Rätsel der Sintashta gelöst
Umgekehrt werfen die Analysen auch ein neues Licht auf die rätselhafte Kultur der Sintashta. Dieses Volk errichtete schon vor rund 4.000 Jahren am Ural große Städte und fertigte ungewöhnlich kunstvolle Waffen und Schmuckstücke an. Sie gelten zudem als die versiertesten Pferdezüchter ihrer Zeit. Die neuen Daten zeigen nun, dass die Sintashta nicht wie zuvor angenommen aus Zentralasien oder Ostasien stammten. Stattdessen gingen sie aus einer Vorgängerkultur am Ural hervor, die genetisch europäische Wurzeln hatte. Erst in der späten Bronzezeit und zu Beginn der Eisenzeit wanderten dann ostasiatische Völker nach Zentralasien ein und prägten die dort noch heute vertretene Population.





