Die Kultur der Jamnaja oder Jamna gelten als einer der Vorfahren der heutigen Europäer. Die Reiternomaden lebten zur Bronzezeit in den Steppen Eurasiens, nördlich des Schwarzen und Kaspischen Meeres. Ab etwa 3100 vor Christus fingen sie an, nach Osteuropa sowie Zentralasien zu migrieren und bewohnten bis etwa 1500 vor Christus schließlich ein Areal von Ungarn bis Kasachstan. Die Einwanderung der Steppennomaden nach Europa ist das bedeutendste demografische Ereignis der letzten Jahrtausende. Denn dabei brachten die Jäger, Sammler und Viehzüchter nicht nur ihre Nutztiere und ihre DNA mit, die in das Erbgut der späteren Europäer einfloss, sondern auch ihre Kulturtechniken und vor allem ihre Sprache.
Diese gilt als der Grundstein aller heutigen indogermanischen Sprachen. Dazu zählen über 400 einzelne Sprachen sowie große Sprachfamilien wie die germanischen, romanischen, slawischen, baltischen, keltischen und indo-iranischen Sprachen. Fast die Hälfte der Weltbevölkerung spricht daher heute eine Sprache, die auf das Proto-Indo-Europäisch der Jamnaja zurückgeht. Doch wo die Jamnaja genau aus Eurasien herkamen, war trotz intensiver historischer und linguistischer Forschung bislang unklar.

Ursprung der Jamnaja liegt zwischen Kaukasus und Wolga
Um das herauszufinden, haben Forschende um Iosif Lazaridis von der Harvard University nun alte DNA ausgewertet. Die Proben stammen aus den Gebeinen von 435 Menschen, die einst in oder nahe der Pontisch-Kaspischen Steppe in der heutigen Ukraine oder Russland gelebt haben. Die alte DNA wurde aus Gräbern sowie archäologischen Stätten von menschlichen Siedlungen geborgen, die zwischen 6400 und 2000 vor Christus bewohnt waren. Diese genetischen Daten verglichen Lazaridis und seine Kollegen mit geografischen und anderen archäologischen Hinweisen – darunter die Position der Toten, Grabbeigaben und Aussehen der Gräber – und rekonstruierten daraus die Entstehungs- und Verbreitungsgeschichte der Jamnaja.
Die Analysen legen nahe, dass die Jamnaja nicht wie bisher angenommen aus zwei, sondern aus drei verschiedenen Untergruppen hervorgegangen sind, die sich genetisch vermischten. Einige ihrer Vorfahren lebten demnach zur Kupfersteinzeit, zwischen 4500 und 3500 vor Christus, in der Gegend zwischen dem Kaukasus und der unteren Wolga, andere an der oberen Wolga in Russland oder am Dnipro in der Ukraine. Es ist das erste Mal, dass eine solche Kaukasus-Wolga-Linie beschrieben und belegt werden kann, wie das Team erklärt. Zu etwa 80 Prozent begründeten diese Menschen die Jamnaja, zu etwa zehn Prozent trugen sie in der Bronzezeit aber auch zur Entwicklung der Völker in Anatolien in der heutigen Türkei bei, wie das Team feststellte. Dazu zählen auch die Hethiter, deren Sprache linguistisch eigenwillig ist und daher bislang als einzige indogermanische Sprache nicht als Erbe der Jamnaja betrachtet wurde. Die neuen Analysen beweisen jedoch nun, dass auch die Hethitische Sprache ihren Ursprung in der eurasischen Steppe hat. Ihre deutlichen Unterschiede zu anderen indogermanischen Sprachen entstanden dadurch, dass sich diese Sprache schon sehr früh von den anderen abspaltete, wie Lazaridis und seine Kollegen erklären.






