Vincent van Goghs Werk Evening Landscape with Rising Moon zeigt das abgeerntete Weizenfeld des Klosters Saint Paul im provenzalischen Ort Saint Rémy. Hinter der Klostermauer taucht die blaue Bergkette der Alpillen auf, und hinter einer überhängenden Klippe schiebt sich gerade der Mond empor. Diesen Anblick, so fanden die Forscher Don und Marilynn Olson und Russell Doescher von der Southwest Texas University heraus, hatte der Maler am 13. Juli 1889, exakt um 21:08 Uhr lokaler Zeit.
Damit beendeten die drei Forscher lange Debatten um das Gemälde. Aus Briefen von van Gogh hatten Kunsthstoriker zunächst geschlossen, dass das Bild im September 1889 während eines einjährigen Krankenhausaufenthaltes entstanden war, es später jedoch auf den 6. Juli datiert. Kurz danach hatte der niederländische Maler offenbar einen Schub seiner rätselhaften Krankheit, der sechs Wochen anhielt. In dieser Zeit entstanden keine Bilder.
Um herauszufinden, wann die astronomische Konstellation eintrat, die auf Van Goghs Bild zu sehen ist, reisten die drei Forscher in die Provence. Wie sie im Astronomie-Magazin Sky & Telescope (Juli 2003, S. 54) berichten, ist der Blick vom Klostergarten auf die überhängende Klippe mittlerweile durch Kiefern versperrt. Dennoch gelang es den Forschern, Winkel und Abstände genau genug zu bestimmen, um den Entstehungszeitraum des Bildes einzugrenzen: Exakt hinter der Klippe tauchte der Mond nur am 16. Mai und am 13. Juli des Jahres 1889 auf. Im Mai, so berichtet van Gogh in Briefen an seinen Bruder, war der Weizen allerdings noch grün. Also schließen die Forscher, dass das Bild am 13. Juli entstanden sein muss. Da der Mond nur zwei Minuten braucht, um über die Klippe zu steigen, konnten sie sogar die Uhrzeit genau bestimmen. Offenbar malte Van Gogh zuerst den Mond und später die Weizenhaufen. Das schließen die Forscher daraus, dass der Schatten aus einer anderen Richtung kommt.
Am 13. Juli dieses Jahres geht der Mond übrigens exakt wieder genauso auf wie 1889. Der Mond hat in diesen 114 Jahren nämlich genau sechs seiner jeweils 19 Jahre dauernden Bahnzyklen vollendet.
Ute Kehse





