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Grab eines Keltenfürsten entdeckt
Geschichte & Archäologie

Grab eines Keltenfürsten entdeckt

Dieser keltische Goldschmuck wurde im neu entdeckten Fürstengrab von Bad Camberg gefunden. · Foto: © Lars Görze M.A./ Landesamt für Denkmalpflege Hessen

Die Fürstengräber der Kelten gehören zu den beeindruckenden Relikten der mitteleuropäischen Eisenzeit. Jetzt haben Archäologen im hessischen Bad Camberg eine besonders seltene Form solcher Keltengräber entdeckt: Der hochrangige Tote wurde vor rund 2500 Jahren mit seinem Streitwagen bestattet. Auch Goldschmuck, importierte Gefäße und Waffen zeugen von der gehobenen sozialen Stellung des Mannes.
Autor
Nadja Podbregar
16. Juni 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Die Kelten dominierten in der Eisenzeit weite Teile Europas nördlich der Alpen – auch in Deutschland finden sich viele Zeugnisse dieser Kultur. Die Kelten der Hallstatt- und Latènezeit hinterließen hier zahlreiche Siedlungsreste und einige sogenannte Fürstengräber. Dabei handelt es sich um Hügelgräber mit meist reichen Grabbeigaben in Form von Schmuck, Waffen, importierten Gefäßen, Möbeln und manchmal auch zeremoniellen Wagen. Die reiche Ausstattung dieser Grabhügel legt nahe, dass die darin bestatteten Toten zur Elite der Keltenzeit gehörten. Ob es allerdings tatsächlich „Fürsten“ im engeren Sinn waren, ist unklar.

Ausgrabung

Ausgrabungen am neuentdeckten Fürstengrab. — © Lars Görze M.A./ Landesamt für Denkmalpflege Hessen

Goldschmuck, Lanze und etruskische Importwaren

Jetzt haben Archäologen in Hessen ein neues Fürstengrab der Kelten entdeckt. Im Vorfeld von Bauarbeiten für eine Solaranlage neben der Autobahn A3 bei Bad Camberg stießen Archäologen bei einer Prüfung des Baugrunds auf eisenzeitliche Relikte. Die von einem Team der SPAU GmbH im Auftrag des hessischen Landesamts für Denkmalpflege durchgeführten Ausgrabungen legten die Reste eines keltischen Grabhügels frei. Datierungen zufolge stammt dieser aus der Mitte des ersten Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung. Erste bereits freigelegte Grabbeigaben sprechen dafür, dass es sich um ein Fürstengrab handelt.

„Mit dem frühlatènezeitlichen Fürstengrab von Bad Camberg können wir nunmehr die bis dato nur angenommene Präsenz einer lokalen keltischen Elite nachweisen“, sagt Landesarchäologe Udo Recker. Für die Zugehörigkeit des Toten zur keltischen Elite sprechen goldene Schmuckstücke wie Halsreifen und Ringe, Waffenteile wie eine eiserne Lanzenspitze sowie Importwaren wie eine Schnabelvase etruskischer Herkunft. Röntgen- und CT-Aufnahmen der aus dem Grabungsgelände im Ganzen geborgenen Erdblöcke deuten auf weitere Grabbeigaben hin, die noch freigelegt und untersucht werden müssen.

Seltenes Beispiel einer keltischen Wagenbestattung

Eine Besonderheit des neu entdeckten Fürstengrabes sind Relikte eines zweirädrigen Wagens: Offenbar wurde dieser keltische Krieger einst mit seinem Streitwagen bestattet. Davon zeugen zwei Radnabenbeschläge, Achskappenbeschläge aus Buntmetall sowie eiserne Radreifenbeschläge, wie die Archäologen berichten. „Bereits nach der geophysikalischen Prospektion des Bereichs spekulierten wir über das mögliche Vorhandensein eines keltischen Elitengrabes. Damit, dass wir am Ende nicht nur ein Fürstengrab, sondern sogar eine Wagenbestattung vorfinden konnten, hatte dann aber doch niemand gerechnet“, sagt Kai Mückenberger, Bezirksarchäologe für den Landkreis Limburg-Weilburg.

Keltische Wagenbestattungen sind selten, bisher wurden in Hessen nur drei vergleichbare Grabstätten entdeckt. Doch keine davon ist von so hoher Qualität und so gut erhalten wie die jetzt in Bad Camberg entdeckte, wie das Team erklärt. „Der Fund von Bad Camberg fügt sich in das reiche eisenzeitliche Erbe Hessens ein“, sagte Christoph Degen, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, bei der Vorstellung des Funds. „Orte wie der Glauberg haben längst gezeigt, welche herausgehobene Rolle das heutige Hessen im keltischen Kulturraum spielte.“

Weitere Funde erwartet

Das Keltengrab von Bad Camberg ist zwar in Bezug auf die Grabbeigaben etwas schlichter als das Fürstengrab vom Glauberg. Den Archäologen zufolge waren die beiden Toten aber wahrscheinlich Zeitgenossen und beide Angehörige der keltischen Elite jener Zeit. Noch sind die Untersuchungen des Fürstengrabs von Bad Camberg und seines Inhalts nicht abgeschlossen. Die Funde werden zurzeit noch in der Restaurierungswerkstatt des Landesamts und im Forschungszentrum der Keltenwelt am Glauberg untersucht.

Die Archäologen erhoffen sich von den Resultaten weitere Einblicke in das keltische Leben in dieser Region. „Der neue Befund kann dieses Bild erweitern: Er verspricht neue Erkenntnisse über soziale Eliten, handwerkliche Fähigkeiten, überregionale Kontakte und Bestattungssitten in der jüngeren Eisenzeit“, sagt Degen.

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege Hessen hessenARCHÄOLOGIE

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