Wissenschaftler haben herausgefunden, wie Geburten bei den Neandertalerinnen abliefen. Das war bislang unklar, weil bei sämtlichen Fossilien das Becken, das die Begrenzung des Geburtskanals formt, nur sehr schlecht erhalten ist. Jean-Jacques Hublin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Timothy D. Weaver von der University of California in Davis haben jetzt am Computer ein virtuelles 3D-Modell des Beckens einer Neandertalerfrau erstellt. Sie verwendeten Knochenfragmente einer Neandertalerin, die man im israelischen Tabun gefunden hatte. Aus der Rekonstruktion schließen die Wissenschaftler, dass die Geburten ähnlich schwierig wie beim heutigen Menschen waren. Allerdings war der Geburtsmechanismus bei den Neandertalerinnen wohl weniger komplex. Das Baby konnte direkt zum Beckenausgang gelangen. Moderne Menschenbabys müssen sich dagegen in einer Drehbewegung durch den Geburtskanal „ schrauben”. Doch manche Forscher sehen diese Ergebnisse skeptisch. So bezweifelt die Paläoanthropologin Karen Rosenberg von der amerikanischen University of Delaware in Newark, ob die Rekonstruktion derjenigen Teile stimmt, die zeigen, dass bei der Geburt keine Rotation stattgefunden hat. Auch die Anthropologin Marcia Ponce de León von der Universität Zürich verweist auf die Schwierigkeit der Rekonstruktion, da die Funde in Tabun nur sehr schlecht erhalten waren.





