Meine Uni benutzt das gerne für das Marketing. Bei uns stehen überall riesige Transparente mit unseren Platzierungen. Wir grenzen uns auch gerne von den anderen chinesischen Universitäten ab, wenn wir in sektoralen Rankings vor ihnen platziert sind: Wir sind Nummer 1 bei der Technik. Wir sind Nummer 1 bei Naturwissenschaften. Studenten und Professoren sind dadurch höchst motiviert.
Wie kam es zu Ihrer Verpflichtung in Hongkong?
Schon als Kind war ich fasziniert von den Abenteuern Marco Polos in China. Deshalb wollte ich in Peking studieren. Dann gab es dort die Kulturrevolution und das Zerwürfnis Maos mit dem Ostblock. Ich entschied mich in der Folge für ein Studium in der Sowjetunion, wo ich fünf Jahre blieb. Später arbeitete ich in Berlin-Buch am Zentralinstitut für Molekularbiologie. Nach der Wende bekam ich einen Ruf an das Institut für Chemo- und Biosensorik der Fraunhofer Managementgesellschaft als Abteilungsleiter für Immunosensoren. 1993 rief mich Professor Yu von der Hongkong University of Science and Technology an und lud mich ein, seine Universität kennenzulernen. Sie war damals ganz neu und liegt fantastisch direkt am Südchinesischen Meer. Ich wurde wohl nicht zuletzt deshalb berufen, weil ich keinerlei Berührungsängste zu Chinesen hatte und man mir als Ostdeutschem einen Heißhunger auf moderne Technologie zuschrieb.
Wodurch unterscheidet sich Ihr Arbeitsplatz von dem der Professoren an deutschen Universitäten?
Wie es in Deutschland genau aussieht, weiß ich nach so langer Zeit nicht mehr. Doch ich höre immer wieder Klagen. In Hongkong bekam ich ein Labor für 15 Studenten und umgerechnet 200 000 Euro für die Erstausstattung. Und was nicht zu verachten war: ein Büro mit Meerblick.
Bieten sich für junge europäische Wissenschaftler in Hongkong heute ähnliche Möglichkeiten wie vor zwei Jahrzehnten?
Die HKUST kann es sich aufgrund ihres weltweit guten Rufs leisten, wählerisch zu sein. Europäer sind zwar hochwillkommen, doch jeder erhält erst einmal einen Zweijahresvertrag. Das Risiko, anschließend nicht weiterbeschäftigt zu werden, scheuen viele. Dennoch hat die HKUST den höchsten Anteil von nichtchinesischstämmigen Professoren in China.
Gibt es an Ihrer Universität Probleme im Verhältnis Hongkong-Chinesen zu anderen Chinesen und Ausländern?





