„Wann ist ein Held ein Held?” Diese Frage, frei nach dem Pop-Klassiker von Herbert Grönemeyer, hätte vor 3000 Jahren in Griechenland niemanden in Verlegenheit gebracht. Der Held war die Leitfigur dieser Epoche. Er vollbrachte im Kampf Großtaten und war mutiger als alle anderen. Außerhalb des Kampfplatzes war er gastfreundlich und großzügig. In seinem Haus waren Luxusgüter und Sklaven aus fernen Ländern zu bestaunen: Andere Hochrangige hatten sie ihm zum Zeichen ihrer Wertschätzung geschenkt. Oder er hatte sie ihnen geraubt. Nur zu gerne folgten ihm die Männer per Schiff übers Meer und fochten, wie er, um Ruhm, edles Metall, Hausgerät, Pferde, Frauen.
Dies alles klingt vertraut. Es ist die Welt der Epen „Ilias” und „Odyssee”. Das Badische Landesmuseum in Karlsruhe hat ihr seine Ausstellung „Zeit der Helden” gewidmet. Sie ist seit diesem Frühjahr vorbei, doch der gleichnamige Ausstellungskatalog ist ein bleibendes Vergnügen. In fast 60 Einzelbeiträgen zwischen zwei und acht Seiten, gut verständlich und reich bebildert, entwirft der Band ein Gesamtbild des früharchaischen Griechenlands inklusive Zyperns. Die Autoren sind mehrheitlich Archäo- logen und Historiker. Aufgrund seiner Kleinteiligkeit eignet sich das Buch zum Immer-wieder-Schmökern in verdaulichen Portionen – eine Menge Lesespaß und eine Fundgrube aktuellen Wissens über die Handelnden auf Homers Bühne. Thorwald Ewe
Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.) ZEIT DER HELDEN Die „ dunklen Jahrhunderte” Griechenlands 1200–700 v.Chr. Primus, Darmstadt 2008 400 S. mit 650 Abb., € 34,90 ISBN 978–3–89678–389–9





