Hoch über dem Zusammenfluss von Rienz und Gader gelegen, bildet die Sonnenburg einen markanten Blickfang im Südtiroler Pustertal. Kaum vorstellbar, dass diese Idylle einmal im Zentrum einer kirchenpolitischen Auseinandersetzung stand, die Kreise bis nach Rom und in die Innsbrucker Hofburg zog. Der Streit zog sich über Jahre – einen wirklichen Gewinner sollte es am Ende nicht geben.
Das Kloster Sonnenburg wurde im Jahr 1039 von einem Adligen namens Volkhold gegründet, der aus der Familie der Gaugrafen von Lurn und Pustertal stammte. Dabei handelte es sich tatsächlich um die Umwandlung der Burg des Adligen in ein Kloster. Dies geschah im Mittelalter gar nicht selten, vor allem, wenn es keine direkten Nachkommen gab. Die Gründung des Klosters Sonnenburg ist zudem im Zeichen der Kirchenreform des 11. Jahrhunderts zu sehen, die auch eine verstärkte Laienfrömmigkeit ausgelöst hatte.
Die Sonnenburg war von Anfang an ein Frauenkloster; Volkhold selbst lebte von 1039 bis zu seinem Tod 1041 als Einsiedler in einer Hütte unterhalb des Klosters. Er wird in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt. Erste Äbtissin des Klosters war Volkholds Nichte Wiburg. Auch in der Folge stammten bis in das 15. Jahrhundert hinein alle Äbtissinnen aus adligen, viele sogar aus gräflichen Familien, und das Kloster wurde zu einer Versorgungsanstalt für Töchter aus den vornehmen Familien des Landes.
Die Geschichte des Mönchtums ist eine Geschichte immer wiederkehrender Reformbemühungen mit dem Ziel, die Mönche und Nonnen wieder auf den Wortlaut der Regel des heiligen Benedikt zu verpflichten. Adlige, die ins Kloster ein‧traten, waren häufig nicht bereit, auf einen adäquaten Lebensstil zu verzichten. Dabei waren es vor allem die strenge Klausur und die zahlreichen Speisevorschriften mit über 140 Fastentagen im Jahr, die zu Auseinandersetzungen führten. Dabei war man durchaus findig, um Abweichungen mit der Regel in Einklang zu bringen. Den Genuss vierfüßiger Tiere hatte der heilige Benedikt eigentlich nur den Kranken erlaubt. Auch das war besonders für die Adligen ein Problem, da der Genuss von Fleisch ein Standessymbol darstellte. Ein Schlupfloch bot Geflügel, und bisweilen wurde sogar ein Tier wie der Biber zu den Fischen gezählt (deren Genuss erlaubt war), da er doch einen schuppigen Schwanz habe.
Im März 1450 wählte das Domkapitel von Brixen Leonhard Wismayr zum neuen Bischof. Wismayr war bis dahin Kanzler Sigismunds des Münzreichen, Herzog von Österreich und Graf von Tirol, gewesen und die Wahl daher ganz in dessen Sinn. Und auch Verena von Stuben, die seit 1440 Äbtissin auf der Sonnenburg war, dürfte damit zufrieden gewesen sein. Denn es stand nicht zu erwarten, dass der neue Bischof einen besonderen Reformeifer an den Tag legen oder in das Wirtschaftsleben der Abtei eingreifen würde. Oder, um es mit einem Anglizismus zu umschreiben: Es hätte weiter business as usual gegeben. Doch Herzog und Äbtissin hatten die Rechnung ohne Papst Nikolaus V. gemacht. Der Pontifex erkannte die Wahl Wismayrs nicht an und ernannte am 23. März 1450 seinen Kurienkardinal Nikolaus von Kues zum neuen Bischof von Brixen.





