Dr. Sebastian Rojek
Die Journalisten Hauke Friederichs und Rüdiger Barth legen mit ihrem Buch eine anschauliche Chronik des Jahres 1946 vor. Sie schildern Monat für Monat die Entwicklungen im besetzten Deutschland, indem sie die Lebensgeschichten zahlreicher, meist bekannter Personen miteinander verweben und Briefe, Tagebücher, Zeitungsartikel sowie andere Quellen sprechen lassen. So entsteht die Collage eines Jahres zwischen den Spuren der Zerstörung und den Versuchen des Wiederaufbaus in Ost und West.
Die Leser erfahren etwas über Adenauers Weg in die CDU, Kurt Schumachers Reorganisation der SPD, Erich Kästners journalistische Bemühungen um die Jugend, Willy Brandts Rückkehr aus dem Exil, Marion Gräfin Dönhoffs Anfänge bei der neu gegründeten Wochenzeitung „Die Zeit“ und vieles mehr. In kurzen Abschnitten springt die Erzählung in hohem Tempo von Person zu Person und von Schicksal zu Schicksal. In der Summe ergibt sich so ein stark an biographischen Entwicklungen orientiertes Gewebe, das zeigt, mit welch unterschiedlichem lebensgeschichtlichem Gepäck beziehungsweise welcher Belastung die Menschen an einer Zukunft arbeiteten, aus der schließlich eine ökonomisch erfolgreiche Demokratie und eine ökonomisch erfolglose Diktatur hervorgehen sollten.
Hauke Friederichs/Rüdiger Barth, Deutschland 1946. Das Wunder beginnt. Heyne Verlag, München 2025, 336 Seiten, € 24,–.





