Hätten nicht Menschen ihr Leben verloren, wäre die Geschichte der Costa Concordia bloß eine skurrile Anekdote: Ein Kreuzfahrtschiff steuert sehr dicht an einer Insel entlang, weil der Kapitän einen Kollegen dort grüßen will, und rammt prompt einen Felsen. Noch ein paar Meter weiter, dann dreht es – und ein mit modernster Technik ausgestattetes Schiff liegt im seichten Wasser wie ein gestrandeter Wal. „Es wird wohl dieses Bild sein, das wir in Erinnerung behalten”, sagt der Essener Gedächtnisforscher Harald Welzer. „Dieses Bild – und diesen Kapitän.” Anstatt vorschriftsmäßig an Bord zu bleiben, brachte sich Francesco Schettino lieber schnell in Sicherheit. Auch sein Bild ging durch die Medien – und Gesichter merkt sich der Mensch. Lebensnäher könnte eine Katastrophe kaum sein: wenige Meter vor der italienischen Küste, Passagiere aus aller Welt, ein Schönling als Sündenbock. Die Costa Concordia wird wahrscheinlich ein Mahnmal menschlicher Überheblichkeit und – wie die Titanic – ein Symbol technischer Kränkung werden.





