Das Hepatitis-B-Virus könnte eine der Ursachen für den Männerüberschuss in vielen asiatischen Ländern sein, glaubt eine amerikanische Wirtschaftswissenschaftlerin: Nach ihren Ergebnissen bekommen mit dem Erreger infizierte Frauen anderthalbmal so häufig Söhne wie Töchter ? und das könne bei einer Infektionsrate von 10 bis 15 Prozent, wie sie beispielsweise in China vorkomme, zu einem großen Teil das ungewöhnliche Geschlechterverhältnis erklären. Bislang wurde hauptsächlich die höhere Todesrate bei den häufig vernachlässigten Mädchen und Frauen dafür verantwortlich gemacht.
Im Gegensatz zur westlichen Welt ist das Geschlechterverhältnis in Ländern wie China und Indien sehr unausgewogen. Nach Schätzungen von Soziologen “fehlen” in diesen Gesellschaften bis zu 100 Millionen Frauen. Die wichtigste Ursache für dieses Missverhältnis ist dabei wahrscheinlich der sehr viel höhere Stellenwert des Mannes, der sich häufig in der Vernachlässigung oder sogar Tötung von neugeborenen Mädchen und der schlechten Versorgung der Frauen widerspiegelt.
Nach einer Auswertung mehrerer Studien kommt die Wirtschaftswissenschaftlerin Emily Oster allerdings zu dem Schluss, dass neben diesen gesellschaftlichen Faktoren auch die hohe Anzahl der mit Hepatitis-B infizierten Frauen in diesen Ländern eine Rolle spielt. So ist die höhere Wahrscheinlichkeit für die Geburt eines Sohnes bei den infizierten Frauen nach ihren Berechnungen für etwa 50 Prozent des Männerüberschusses in Ägypten und im westlichen Asien und sogar für 75 Prozent der fehlenden Frauen in China verantwortlich. In Bangladesch, Indien, Pakistan und Nepal könne die Infektionskrankheit etwa 20 Prozent des Effektes erklären, so die Forscherin.
Emily Oster ( Harvard-Universität, Boston): Journal of Political Economy (Bd. 113, Nr. 6). ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel





