Steingefäß mit verräterischen Bronzeresten
Zu diesen Funden gehört auch das Fragment eines kleinen, dickwandigen Steingefäßes. Das fünf Zentimeter hohe Gefäß ist halb durchgebrochen, zu erkennen ist aber noch, dass es einen ebenen Boden hatte und möglicherweise am oberen Rand eine Tülle besaß, wie die Forscher berichten. Um herauszufinden, woraus dieses Steingefäß bestand und wozu es einst genutzt wurde, untersuchten sie seine Innenfläche mit Hilfe eines Raster-Elektronenmikroskops. Dabei zeigte sich Überraschendes: Die Forscher fanden 57 Bronzepartikel in den mikroskopisch kleinen Ritzen und Gruben des Gefäßes. Außerdem entdeckten sie winzige Glaskügelchen, wie sie entstehen, wenn Stein auf hohe Temperaturen erhitzt wird und schmilzt.
“In diesem Gefäß müssen einst kleine Mengen von Zinn und Kupfer geschmolzen worden sein, wahrscheinlich um kleinere Bronzeobjekte zu gießen”, schlussfolgern Sutherland und ihre Kollegen. Mit einem Alter von rund tausend Jahren sei dieser Tiegel damit der älteste Beleg des Metallschmelzens und -gießens in Nordamerika. Der Fund dieses Gefäßes auf der Baffin-Insel liefert aber auch einen weiteren Beleg dafür, dass die Wikinger schon vor rund tausend Jahren Nordamerika besuchten. Denn ähnliche keramische Tiegel wurden von den Wikingern auch in Skandinavien genutzt, um Nichteisen-Metalle zu verarbeiten. Hinzu kommt, dass das Gefäßfragment zusammen mit Relikten gewebter Textilien, einem Stein mit Spuren geschmolzenen Metalls auf der Oberfläche und weitere Zeugnissen früher europäischer Handwerkskunst gefunden wurde.





