Über die Vitalienbrüder erzählt man sich viele Geschichten. Äußerst brutal sollen sie gewesen sein und dazu strohdumm. Brutal waren sie tatsächlich, aber alles andere als dumm. Sie waren sogar sehr intelligent und begingen niemals einen Denkfehler. An einem stürmischen Herbsttag des Jahres 1397 hatten sie in der Nähe von Helgoland eine niederländische Kogge gekapert, die sich mit einer Ladung flämischen Tuchs auf der Reise von Brügge nach Reval befand. Den Kapitän und die Mannschaft der Kogge warfen die Vitalienbrüder kurzerhand über Bord, den Fischen zum Fraß. Dann teilten sie sich die Beute. Jeder bekam den gleichen Anteil, denn sie nannten sich auch die „Likedeeler”, was soviel wie Gleichteiler heißt. Als Klaus Störtebeker, der Kapitän der Vitalienbrüder, die Kajüte des Kapitäns der Kogge durchsuchte, entdeckte er eine mit Eisen beschlagene verschlossene Schatulle aus Eichenholz. Sie war so schwer, dass er sie kaum anheben konnte. Als er sie mit einem Enterhaken aufgebrochen hatte, sah er, dass sie bis zum Rand mit goldenen Dukaten gefüllt war, die im Licht seiner Lampe glänzten. Mit Mühe schleppte er die Schatulle an Bord. „Brüder!”, rief er. „Schaut einmal, was ich gefunden habe!” Die Piraten zählten die Goldstücke: Es waren genau 1000 Münzen. „Wir sind sieben Männer – wenn wir die Dukaten unter uns aufteilen, bleiben entweder sechs Münzen übrig oder einer bekommt einen Dukaten weniger als die anderen”, sagte Störtebeker. Die Piraten dachten eine Weile nach, wie dieses Problem zu lösen sei. Natürlich wollten sie eigentlich gerecht teilen, aber von dem schönen Gold hätte doch jeder lieber einen größeren Anteil gehabt als seine Kameraden. Schließlich sagte Störtebeker: „Wir machen es so: Der Stärkste von uns schlägt einen Verteilungsschlüssel vor, dann wird über den Vorschlag abgestimmt. Alle Brüder, auch der Vorschlagende, sind stimmberechtigt. Stimmt mindestens die Hälfte zu, wird der Vorschlag in die Tat umgesetzt. Ansonsten wird der Vorschlagende den Fischen zum Fraß vorgeworfen, und das Verfahren wird mit dem nächst stärksten Bruder wiederholt. Dies machen wir solange weiter, bis ein Vorschlag angenommen wird.” Keiner der Vitalienbrüder war mit diesem Verfahren einverstanden, aber da Störtebeker ihr Kapitän und der stärkste Mann an Bord war, wagte niemand zu widersprechen. Natürlich hatte keiner der Vitalienbrüder Skrupel, einen seiner Kameraden über Bord zu werfen, aber selbstverständlich wollte auch niemand selbst sterben. Alle Piraten dachten streng logisch und wussten dies auch voneinander. Keine zwei Piraten waren gleich stark. Es gab also eine klare Hackordnung, die jeder kannte. Die Dukaten ließen sich nicht teilen, Nebenabsprachen gab es nicht, denn keiner traute dem anderen über den Weg. Wissen Sie, wie viele Dukaten Klaus Störtebeker am Ende von der Beute bekam?
So machen Sie diesen Monat mit
Teilnehmen kann jeder, außer den Mitarbeitern des Verlags und deren Angehörigen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Schicken Sie bitte Ihre Lösung (ausschließlich!) auf einer Postkarte bis zum 30. November 2010 an:
bild der wissenschaft, Kennwort „Cogito 11|10″
Ernst-Mey-Str. 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen
Die Lösung und die Namen der Gewinner werden im Februar-Heft 2011 auf der Leserbrief-Seite veröffentlicht.
Zu gewinnen
Unter den Einsendern der richtigen Lösung werden Exemplare des Buchs „100 Dinge, von denen du nicht wusstest, dass du sie nicht wusstest” ausgelost. (Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.) Der britische Mathematiker und Physiker John D. Barrow zeigt darin in 100 kurzen unterhaltsamen Kapiteln, wie Mathematik unsere Welt erklären kann. Dabei geht es um Alltagsphänomene wie Warteschlangen, Pferdewetten, Mehrwertsteuer, faire Scheidungsvereinbarungen, Achterbahnen und Eiskunstlauf, aber auch um Skurriles wie das Leben als Simulation, viereckige Fahrräder, die Bürde der Allwissenheit und „das Origami des Universums”. Selbst wer sich ungern an den Mathematik-Schulunterricht erinnert, wird bei dieser kurzweiligen Lektüre viele Aha-Erlebnisse haben. Mehr Informationen finden Sie unter www.rororo.de.





