Noch Jacobus de Voragine, der um 1263/1267 mit seiner „Legenda aurea“ die wirkmächtigste, weit über das Mittelalter hinaus einflussreiche Sammlung von Heiligenleben zusammengestellt hat, widmete ihnen nur einige dürre Zeilen innerhalb seiner Ausführungen zum Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanias, 6. Januar). Dass rund 100 Jahre nach der Translation ihrer Reliquien von Mailand nach Köln die Geschichte der Weisen aus dem Morgenland von einem der größten Hagiographen aller Zeiten schlicht nicht zur Kenntnis genommen bzw. größerer schriftlicher Erläuterungen für unwürdig erachtet wurde, setzt im Grunde das seit der Spätantike charakteristische Schweigen fort.
Von zentraler Bedeutung für die Frühgeschichte der Heiltümer ist die Gestalt der heiligen Helena (249/50–328/29), der Mutter Kaisers Konstantins I. Ihr Name ist untrennbar verbunden mit der Auffindung und wundersamen Identifizierung des „Wahren Kreuzes“ im Jahr 326. Diese durch den heiligen Ambrosius von Mailand überlieferte Legende war seit 390 im Ostteil des Römischen Reichs bekannt und wurde in der Folge vor allem durch griechische Kirchenhistoriker des 5. Jahrhunderts wie Theodoret und Sozomenos immer weiter ausge‧schmückt. Die legendenhafte Überhöhung stieß freilich nicht überall auf rückhaltloses Wohlgefallen: In einer Gesetzesverfügung vom Ende des 5. Jahrhunderts wurde gar ausdrücklich vor der Lektüre von Schriften über die Auffindung des Heiligen Kreuzes gewarnt.
Ihre Pilgerfahrt ins Heilige Land nutzte Helena zur Suche nach weiteren Reliquien: Die Früchte ihres dabei entwickelten, geradezu archäologischen Spürsinns wurden der Schleier der Gottesmutter Maria und der Heilige Rock, der später nach Trier überführt worden sein soll. Alle frühen Quellen schweigen sich freilich über die Auffindung von Dreikönigsreliquien aus. Die Verbindung, die zwischen Helena und der ersten Dreikönigserhebung konstruiert wurde, ist deutlich jüngeren Datums, rückt verdächtig nahe an die „Entdeckung“ der Heiltümer 1158 in Mailand heran, ja wird in den allermeisten Fällen gar erst nach deren Überführung nach Köln greifbar.
Neben Helena ist der heilige Eustorgius, zwischen 344 und 350 Bischof von Mailand, für die Frühgeschichte der Dreikönigsreliquien von eminenter Bedeutung. In seiner um 1200 anonym abgefassten Lebensbeschreibung („Vita Eustor‧gii“) finden sich zum ersten Mal substantielle Aussagen zum Schicksal der Reliquien. Von Bedeutung sind in diesem Zusammenhang Entstehungszeit und -ort der Quelle. Nach ak‧tuellem Forschungsstand erfolgte ihre Abfassung nämlich erst Ende des 12. Jahrhunderts im Kölner Raum, mithin also deutlich nach der endgültigen, 1164 erfolgten Reliquientranslation in eine Stadt, die ein gesteigertes Interesse an intensiver Kultpropaganda für die neuerworbenen Reliquien haben musste, über die schlicht noch nicht allzu viel bekannt war.





