Mit einem neuen Ansatz konnten Chronis Tzedakis von der Universität in Leeds und seine Kollegen diese Hürden nun teilweise umgehen: Die Forscher setzten Ergebnisse der Radiokarbonmessungen direkt mit Klimadaten in Beziehung, die aus Bohrungen im grönländischen Eis und in Sedimentschichten im Meer gewonnen worden waren und sich ebenfalls auf Radiokarbonmessungen stützen. Auf diese Weise lässt sich zwar nicht der absolute Zeitpunkt des Aussterbens genauer festlegen, doch können die Forscher sehr viel exakter das relative Alter von Fundstücken im Verhältnis zu bestimmten Klimaereignissen bestimmen.
Nach den Ergebnissen herrschte in den letzten Jahrtausenden in der Geschichte der Neandertaler ein sehr instabiles Klima. Doch solchen Bedingungen waren die Frühmenschen bereits seit vielen Jahrtausenden ausgesetzt, ohne daran zugrunde zu gehen. Gegen Ende des Beobachtungszeitraums kam es dann zu einer Abkühlung und einem massiven Vorstoß der Gletscher in Europa, erklären die Forscher. Dennoch müssen die Neandertaler im heutigen Gibraltar, wo auch die jüngsten Knochenfunde herstammen, noch gute Lebensbedingungen vorgefunden haben.
“Es war kein einzelnes Klimaereignis, das zum Aussterben der Neandertaler geführt hat”, fasst Katerina Harvati vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Mitglied des Forscherteams zusammen. Wahrscheinlich war ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren verantwortlich, in der auch die Konkurrenz zum modernen Menschen eine Rolle spielte, vermuten die Wissenschaftler.





