Werner Heisenberg wird am 5. Dezember 1901 in Würzburg geboren, wo er seine Kindheit und die ersten Schuljahre verbringt. 1910 zieht die Familie nach München. Von 1911 an besucht Heisenberg das Maximilians-Gymnasium, wobei die kommenden neun Jahre durch den Ersten Weltkrieg geprägt sind. Als Folge der massiven gesellschaftlichen Unruhe entsteht die „Jugendbewegung”, bei der Heisenberg sich stark engagierte.
1920 entscheidet sich Heisenberg – trotz seiner überragenden Fähigkeiten am Klavier und einer tiefen inneren Beziehung zur Musik – zum Studium der Physik an der Universität München; sein Lehrer ist Arnold Sommerfeld. In dessen Seminar lernt er Wolfgang Pauli kennen, der bereits als Wunderkind gilt. Sommerfeld erkennt früh das ebenfalls erstaunliche Talent Heisenbergs und ermutigt ihn zu selbstständigen Arbeiten, die 1921 zur ersten Fachpublikation führen. Im kommenden Jahr lernt Heisenberg Niels Bohr kennen, und mit den Gesprächen im Anschluss an Bohrs Seminare beginnt seine eigene wissenschaftliche Entwicklung.
Danach hält sich Heisenberg vor allem in Göttingen und Kopenhagen auf. 1924 gelingt ihm der Durchbruch zur Quantenmechanik. 1925 erscheinen seine entsprechenden Arbeiten, zum Teil gemeinsam mit Max Born und Pacual Jordan verfasst. Heisenberg arbeitet mehrere Jahre als Assistent bei Bohr in Kopenhagen, und in intensiven Diskussionen der beiden Physiker wird die „Kopenhagener Deutung” der neuen Physik geboren. Zu ihr trägt Heisenberg das bei, was die allgemeine Sichtweise der Physik radikal verändert: die Unschärferelation.
Nach der Kopenhagener Zeit forscht Heisenberg als Professor für Theoretische Physik in Leipzig. Dort gelingen ihm viele Anwendungen der neuen Physik – etwa bei der Erklärung von Eigenschaften des Atomkerns oder der Deutung magnetischer Qualitäten fester Körper. Als Heisenberg im Dezember 1933 in Stockholm den Nobelpreis für Physik (für das Jahr 1932) entgegen nimmt, sind in Deutschland die Nationalsozialisten an der Macht. Sie ersticken fast jedes geistige Leben, üben brutalen Terror gegen anders Denkende aus und organisieren den Holocaust. Mit der Machtergreifung der Nazis beginnen für Heisenberg schwierige und einsame Jahre, da er sich nicht zur Emigration entschließen kann.
Ein Grund für sein Verharren in Deutschland ist die Familie, die er mit Elisabeth Schumacher gründet. Die beiden heiraten 1937 und bekommen sieben Kinder. 1939 – kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs – kauft Heisenberg in Urfeld am Walchensee in Bayern ein Sommerhaus, das der Familie als Zufluchtsort dient.
Seit 1939 steht die Physik im Zeichen der Atomenergie und der Frage, ob und wie sie durch Kernspaltung genutzt werden kann: zum Bau einer Bombe. Heisenbergs Versuch, darüber im September 1941 mit Bohr in Kopenhagen zu sprechen, scheitert kläglich und sorgt für Unruhe. Bald wird Heisenberg zum Direktor am Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik ernannt, einem der wichtigsten Einrichtungen zur Erforschung der Atomenergie. Trotzdem: Eine Atombombe bauen die Nazis nicht, und als Heisenberg nach der Kapitulation mit neun anderen deutschen Forschern auf dem englischen Landsitz Farm Hall interniert ist und durch die BBC-Nachrichten vom Abwurf der amerikanischen Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki erfährt, reagiert er überrascht und ungläubig.
1946 lässt sich Heisenberg in Göttingen nieder, als Direktor des späteren Max-Planck-Instituts für Physik. Er übernimmt in den Nachkriegsjahren viele Verpflichtungen – unter anderem als Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Heisenberg kämpft gegen die geplante Aufrüstung der Bundesrepublik Deutschland mit Atomwaffen. In seinem wissenschaftlichen Spätwerk bemüht er sich – so vergeblich wie Einstein – um eine einheitliche Feldtheorie. 1958 zieht er mit seinem Institut nach München um, wo er 1976 an Krebs stirbt. 1969 legt er seine Autobiografie „Der Teil und das Ganze” vor, die mit dem Satz beginnt: „Wissenschaft wird von Menschen gemacht.”
Ernst Peter Fischer





