Der Norden Europas wurde schon vor mindestens 780 000 Jahren besiedelt – rund 100 000 Jahre früher als bisher angenommen. Das belegt ein Fund von Forschern um Simon A. Parfitt vom University College London. Die Wissenschaftler hatten bei Happisburgh im Osten Englands entsprechend alte Werkzeuge ausgegraben.
In der Region herrschten damals im Winter durchschnittlich minus 3 Grad Celsius, und auch im Sommer war es nur zwischen 16 und 18 Grad Celsius warm. Bisher gingen die Forscher davon aus, dass unseren Vorfahren diese Temperaturen viel zu kalt waren. Sie nahmen deshalb an, dass im frühen Pleistozän (vor 1,8 Millionen bis 780 000 Jahren) eine natürliche Grenze die Ausbreitung der Menschheit verhinderte: der 45. Breitengrad. Er verläuft in Europa durch Südfrankreich, Norditalien und Rumänien. Doch diese „ Temperaturbarriere” gab es nach den jetzigen Erkenntnissen nicht.
Wie die frühen Menschen die Minusgrade aushielten, wissen die Forscher bislang nicht. Weitere Ausgrabungen sollen jetzt klären, über welche Art von Kleidung sie verfügten oder ob sie eventuell im Süden überwinterten.





