In einem Lichtreflex auf dem Edelstein eines Rings hat sich der bedeutende flämische Maler Robert Campin (etwa 1375 bis 1445) vermutlich selbst verewigt. Das nur rund vier Millimeter große Bildnis entdeckte der Archäologe Mirko Gutjahr vom Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle durch Zufall. Er hatte für eine Ausstellung eigentlich herausfinden wollen, ob ein Ring, der Luthers Frau gehört haben soll, tatsächlich aus der Zeit des Reformators stammt. Dazu untersuchte Gutjahr als Vergleichsstück Campins Bild „Porträt einer Frau”, das um 1430 entstanden ist. Darauf ist eine feine Dame abgebildet, die einen Ring trägt.
Als der Forscher das Schmückstück mehrfach vergrößerte, traute er seinen Augen kaum. Was zunächst nur ein Lichtreflex auf dem Edelstein zu sein schien, entpuppte sich als Bild eines Mannes mit Schnurrbart und lockigem Haar. Um den Ehemann der Porträtierten handelt es sich dabei nicht, denn von ihm ist ein Bild erhalten, auf dem er völlig anders aussieht. Gutjahr geht vielmehr von einem recht pikanten Hintergrund aus. Campin war nämlich als notorischer Frauenheld verschrien und es liegt nahe, dass er sich auf dem Gemälde einer seiner Geliebten verewigen wollte. Sollte das stimmen, wäre es die erste bekannte Abbildung des Flamen.





