Andere Zeiten, andere Briefe
Dem antiken Historiker Hellanicus zufolge wurde der erste handgeschriebene Brief etwa 500 v. Chr. von der persischen Königin Atossa abgesandt. Die ersten uns bekannten Briefe wurden in Ägypten geschrieben und verschickt. Über Hieroglyphen kommunizierte man über weite Entfernungen miteinander. Auch im alten Indien, Rom, Griechenland, Sumer und China wurde die Kunst des Briefeschreibens genutzt. Einige Bücher der Bibel wurden aus Briefen zusammengesetzt.
Geschrieben wurde in der Antike auf unterschiedlichen Materialien wie Holz, Wachs oder Metall, Keramik, Tierhaut oder Papyrus. Und in der griechischen Mythologie übermittelte Acontius Kydippe seine Heiratsabsichten, indem er entsprechende Worte in die Schale eines Apfels ritzte. In den letzten Jahrhunderten wurden Briefe überwiegend von Hand auf Papier oder mit der Schreibmaschine geschrieben.
Noch heute sind Briefe vor allem zum Überbringen von Informationen, Nachrichten und lieben Grüßen sehr beliebt – dann gerne auch in ihrer knapp gefassten Variante. Postkarten aus dem Urlaub schreiben, für besondere Anlässe wie Hochzeiten oder zu Weihnachten schöne Karten selbst gestalten: Bei einer handschriftlichen Nachricht geht es oft nicht zuletzt um eine schöne Form und nicht nur um den Inhalt.
Briefeschreiben als Privileg
In der Geschichte der Menschheit war es über weite Teile nur wenigen vergönnt, lesen und schreiben zu lernen. Allein aus diesem Grund war es einem Großteil der Menschen nicht möglich, per Brief zu kommunizieren. Hinzu kam, dass die Utensilien, die es zum Briefeschreiben brauchte, kostspielig waren und sich das Briefeschreiben vor allem reiche Menschen leisten konnten. Noch im Mittelalter war das Schreiben von Briefen vor allem den Wohlhabenden und Gebildeten vorbehalten. Adelige stellten Schreiber an, die in ihrem Namen Briefe verfassten. Diese Briefe wurden häufig auf Latein geschrieben und zeichneten sich durch eine besondere Kalligrafie aus.
Im Laufe der Neuzeit verbreitete sich das Briefeschreiben immer mehr. Die Alphabetisierungsrate stieg und die Kosten für das Verfassen von Briefen wurden geringer. Als im 15. Jahrhundert der Buchdruck erfunden wurde, trug die erleichterte Herstellung von Büchern und anderen schriftlichen Materialien ihr Übriges zu Verbreitung des Briefeschreibens bei. Ab diesem Zeitpunkt tat sich auch einiges in puncto Briefversand. Eine Standardisierung des Briefverkehrs nahm ihren Anfang. Im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte sich schließlich das Postwesen, Vordrucke und Umschläge wurden eingeführt und das Schreiben und Versenden von Briefen wurde einfacher und bequemer.





