Die Griechen als Urheber der Weinnation Italien
Denn schon vor Rom gab es eine europäische Hochzivilisation, die die Weinkultur pflegte, nämlich die griechischen Stadtstaaten. Athen, wichtigster und berühmtester Stadtsaat des antiken Griechenlands, durchlitt mehrere Krisen. Der rapide Bevölkerungsanstieg in den Stadtstaaten sorgte kombiniert mit zu dieser Zeit kargen Ackerböden für große Probleme. Diese Schwierigkeiten führten dazu, dass Menschen fernab der griechischen Heimat bessere Lebensumstände suchen. Erst gegen Ende des siebten Jahrhunderts begannen dann die ersten Kolonisationsbemühungen, bei denen unter anderem die Stadt Byzanz entstand, das heutige Istanbul.
Die Regionen, die wir heute als Süditalien bezeichnen, begeisterten die Griechen dabei ganz offensichtlich besonders. Apulien, Sizilien, Kampanien und Kalabrien sind dabei die Gegenden, in denen die Griechen aktiv wurden. Bei dieser Gelegenheit brachten sie auch Weinreben aus der Heimat mit und begannen, auch in ihren Kolonien Wein anzupflanzen – die Geburtsstunde des italienischen Weinbaus war gekommen. Die Geschichte der griechischen Kolonisation ist grundsätzlich ein sehr faszinierendes Kapitel, schließlich ist sie eines der ersten bekannten Beispiele für derartige Vorhaben.
Wein im römischen Reich
So also gelangte das griechische Wissen um den Weinbau nach Italien. Später nützte es dann vor allem dem römischen Reich. Dort galt Wein lange Zeit nicht nur als exklusives Genussmittel, sondern war ein wahres Volksgetränk und entsprechend wichtiges Wirtschaftsgut. Wie etwa Bier heute als Grundnahrungsmittel verstanden wird, so galt dies lange Zeit auch in Rom und den dazugehörigen Provinzen. Durch die expansive Tätigkeit sowohl in Zeiten der römischen Republik als auch in denen des Kaiserreichs trugen die Römer das Wissen um den Weinanbau erheblich weiter in den Norden und sorgten somit auch für die Verbreitung nach Mittel- und Norditalien.
Allerdings sollte es tatsächlich eine ganze Weile dauern, bis in Rom und Umgebung überwiegend eigene Weine getrunken wurden – bis zum ersten Jahrhundert v. Christus dominierten hier wohl noch griechische Weine. Danach aber traten die römischen Weine ihren Siegeszug an. Diese wurden übrigens in Amphoren, Vasen und Schläuchen auch in großer Hektoliterzahl auf dem See- und Landweg für den Handel transportiert.
Dass Wein in relativ großen Mengen von der Bevölkerung getrunken wurde, ist weithin bekannt – bei Frauen geht man in etwa von einem halben Liter am Tag aus, bei Männern sogar von einem ganzen. Dabei wurde der Wein aber in aller Regel nicht pur getrunken, zumal er meist in einer öligen Konsistenz eingelagert wurde, sondern stattdessen mit Wasser gestreckt, sodass auch der Alkoholkonsum etwas geringer ausfiel, als man dies bei den Konsumzahlen annehmen könnte.





