“Der Mythos Troja ist absolut gerechtfertigt”, sagt zum Beispiel Dr. Eberhard Zangger. Der in Zürich lebende deutsche Altertumsforscher gilt Teilen der deutschen Archäologenzunft als Ketzer, seit er 1992 in einem Gedankenexperiment mit naturwissenschaftlichem Hintergrund Troja mit Platons Legendenstaat Atlantis gleichgesetzt hat. Auch für diesen “Quälgeist der Archäologie” (Der Spiegel) entstand die europäische Zivilisation in der klassischen Antike. Alles, so Zangger, was das klassische Griechenland ausmacht – Philosophie, Architektur, Naturwissenschaften und Technik -, aber kam über die zahlreichen bronzezeitlichen Städte der kleinasiatischen Westküste. Von den vielen Vermittlern ist in den Überlieferungen allein Troja erhalten geblieben – und auch nur als Legende. Aber: “Als die Kultur in Troja anlangte”, so Zangger, “war sie bereits 1000 Jahre alt und kam aus dem Osten.”
Wie auch immer die Erkenntnis in der Troas fortschreitet, eines ist nach 10 der geplanten 15 Kampagnen des Tübinger Archäologen Manfred Korfmann sicher: Eine “Piratenfestung”, wie Korfmann vor Beginn seiner Grabung postulierte, oder ein Fürstensitz von nur lokaler Bedeutung war das vorgeschichtliche Troja auf keinen Fall. Hier wuchs, geographisch begünstigt, über viele Jahrhunderte eine überaus reiche Stadt.
Reichtum macht mächtig – und weckt die Feinde. So kam es immer wieder zu Überfällen auf und Kriegen um Troja: Die Archäologen können sie in vielen Brandschichten nachweisen. Deshalb ist es wissenschaftlich müßig, nach dem einen, alles verschlingenden Trojanischen Krieg zu forschen. Aber die Sache ist zum Glaubenskrieg stilisiert worden, in dem selbst von Wissenschaftlern Parteinahme eingefordert wird. Der mit allen Ägäis-Wassern gewaschene Taktiker Korfmann zieht sich passabel aus der Affäre: Persönlich glaube er an einen historischen Kern der Ilias, aber er suche ihn nicht. Den Philologen und Historikern allerdings, die mit archäologischen Befunden gegen einen historischen Trojanischen Krieg argumentieren, sagt er mit der Autorität seines Amtes: “Keines ihrer angeblichen Gegenargumente hat gegenwärtig mehr Bestand.” Es gab einen finalen Schlag gegen Troja – und der ereignete sich um 1180 v. Chr. Danach senkten sich die “Dunklen Jahrhunderte” über die damalige Welt.





