Der Schöpfer von AlphaGO und eine Hackerin für den guten Zweck
Um Computer geht es auch bei Alexandra Elbakyan. Als die Informatikerin Fachliteratur für ihre Abschlussarbeit an der Universität von Almaty in Kasachstan benötigte, scheiterte sie am Geld. Denn weder sie noch ihre Universität konnten die hohen Preise bezahlen, die die renommierten Fachmagazine für Einzelartikel oder Abonnements fordern. Wütend über diese Benachteiligung entschloss sich Elbakyan, sich ihre Fachartikel kurzerhand durch Hacken der Paywalls zu beschaffen. Bald sprach sich dies herum und auch andere Forscher baten die IT-Expertin, ihnen die dringend benötigte Fachliteratur zu beschaffen. 2011 setzte Elbakyan die Piraten-Website Sci-Hub auf, die automatisiert gehackte Paper zum Download bereitstellte. Inzwischen umfasst die Seite rund 60 Millionen Fachartikel – Copyrightbruch in großem Stil. Die Konsequenz: Elbakyan hat inzwischen eine Klage am Hals und hält sich zu ihrem Schutz an einem geheimen Ort auf. Nach Ansicht von “Nature” jedoch macht die Informatikerin mit ihrer illegalen Website auf ein großes Problem der heutigen Wissenschaft aufmerksam: Die hohen Preise vieler Fachmagazine unterminieren die Chancengleichheit und benachteiligen so ärmere, aber deswegen nicht weniger brillante Wissenschaftler.
LIGO, Red Dot und ein Kind mit drei Eltern
Um Geheimhaltung, wenn auch auf andere Weise, ging es bei einem weiteren Menschen des Jahres: bei Gabriela Gonzalez, der Sprecherin der LIGO-Kollaboration. Ihr Job war es nicht nur, die Forschungsarbeit der mehr als tausend Wissenschaftler zu koordinieren, die an der Suche nach Gravitationswellen beteiligt waren. Sie musste auch monatelang dafür sorgen, dass vom ersten Nachweis dieser Rippel in der Raumzeit nichts nach außen drang. Die Forscher wollten erst dann an die Öffentlichkeit gehen, wenn sie ihre Daten bis ins Letzte auf Messfehler und andere mögliche Quellen falschpositiver Signale abgeklopft hatten. Am 11. Februar 2016 war es dann soweit: Gonzalez konnte den ersten Nachweis der Gravitationswellen verkünden – eine Weltsensation. Ebenfalls im Weltall findet sich das Forschungsobjekt von Guillem Anglada-Escudé, dem Entdecker des erdähnlichen Planeten um unseren Nachbarstern Proxima Centauri. Er entwickelte eine Methode, mit der Exoplanetensignale besser aus den Daten des HARPS-Spektrographen an der Europäische Südsternwarte in Chile extrahiert werden können. Überzeugt davon, dass es Planeten auch in unserem kosmischen “Hinterhof” geben müsse, initiierte Anglada-Escudé dann eine gezielte Suche nach einem Planeten um Proxima Centauri. Mit Erfolg: Seine “Red Dot”-Kampagne fand das gesuchte Planetensignal.
Im Reich der Moleküle und Zellen arbeiten dagegen zwei weitere Forscher des Jahres. Für heiße Diskussionen sorgte im September 2016 der Reproduktionsmediziner John Zhang. Er hatte erstmals einen menschlichen Embryo erzeugt, der das Erbgut von drei Menschen in sich vereinte. Die für seine Befruchtung eingesetzte Eizelle trug die Mitochondrien einer fremden Spenderzelle in sich. Damit wollte Zhang verhindern, dass dieses Kind einen Gendefekt der Mitochondrien von seiner Mutter erbte. Als das Kind, ein gesunder Junge, auf die Welt kam, sorgte dies weltweit für Aufsehen. Für die ethisch umstrittene und in vielen Ländern verbotene Manipulation gab es jedoch auch reichlich Kritik. Um die Schattenseiten der gefeierten Genschere CRISPR/Cas9 geht es dagegen dem Genforscher Kevin Esvelt. Obwohl er selbst einer der Pioniere im Einsatz dieser Genschere ist, warnt er seit Jahren auch vor den Gefahren einer unkontrollierten und ungenügend reflektierten Genmanipulation mit dieser Methode. Das Aha-Erlebnis dazu kam Esvelt bei seiner eigenen Forschung: Er erkannte mit als Erster, dass Manipulationen mit CRIPR/Cas9 dazu führen können, dass sich geänderte Gene von selbst und unkontrolliert in einer Population verbreiten. Sein Engagement für mehr Vorsicht und eine breite Debatte könnten die Genmanipulation sicherer gemacht haben.





