Der 1831 geborene Sitting Bull ist einer der bekanntesten Kriegshäuptlinge der amerikanischen Ureinwohner. Der Anführer und Medizinmann der Hunkpapa Lakota-Sioux war eine der treibenden Kräfte des Widerstands, den die Sioux der Landnahme und Vertreibung durch die Europäer in Form des US-Militärs entgegensetzten. Eine besondere Rolle spielte er als einer der Kriegshäuptlinge, die die vereinten Stämme der Sioux, Cheyenne und Arapaho im Jahr 1876 in den Kampf gegen die US-Armee unter General George Custer führten. Bei der Schlacht am Little Big Horn gelang es den Indianern, die US-Soldaten vernichtend zu schlagen und Custer zu töten. Diese Schlacht gilt als der größte Sieg der Indianer im Kampf um ihr Land und ihre Freiheit – den sie dennoch letztlich verloren. Sitting Bull lebte nach dem endgültigen Sieg der Weißen mit seinem Stamm im Standing Rock Reservat in North Dakota, wo er 1890 unter unklaren Bedingungen ermordet wurde.
Eine Haarlocke von Sitting Bull
Kurz bevor die Gebeine des Sioux-Häuptlings begraben wurden, schnitt ein Gerichtsmediziner dem toten Sitting Bull seine Skalplocke ab – eine Haarlocke vom Oberkopf, an der die Sioux typischerweise eine Feder befestigten – und entwendete die Leggings des Häuptlings. Beides gab er später als Leihgabe an das Smithsonian Institute in Washington DC. Erst im Jahr 2007 wurden diese beiden Relikte an die Sioux und im Speziellen an Ernie Lapointe und seine Schwestern übergeben. Laut Geburtsurkunden, Familienstammbäumen und historischen Dokumenten sind sie die noch lebenden Urenkel des Sioux-Häuptlings. “Aber im Laufe der Jahre haben immer wieder viele Leute versucht, die Verwandtschaftsbeziehung von mir und meinen Schwestern zu Sitting Bull anzuzweifeln”, erklärt Lapointe. Zum Problem wurde dies vor allem deshalb, weil ihm bisher jedes Mitspracherecht über die beiden mutmaßlichen Bestattungsorte von Sitting Bull verwehrt blieb.
An diesem Punkt kommt der bekannte DNA-Forscher Eske Willerslev von der University of Cambridge ins Spiel. Er und sein Team sind Spezialisten darin, selbst aus sehr alten Knochen und anderen Relikten noch Erbgut zu isolieren und daraus auf Herkunft oder Verwandtschaftsbeziehungen zu schließen. “Sitting Bull war mein Held, seitdem ich ein Junge war”, erzählt Willerslev. “Deshalb habe ich mich fast an meinem Kaffee verschluckt, als ich 2007 in einem Magazin las, dass das Smithsonian Museum das Haar von Sitting Bull an Ernie Lapointe zurückgeben wollte.” Der Forscher schrieb an Lapointe, erklärte ihm, dass er auf die Analyse alter DNA spezialisiert sei, und fragte, ob er nicht versuchen dürfe, DNA aus der Haarlocke von Sitting Bull zu extrahieren und so seine Verwandtschaft zu beweisen. Lapointe stimmte zu und Willerslev, Erstautorin Ida Moltke von der Universität Kopenhagen und ihre Kollegen machten sich an die Arbeit.





