Um hier mehr Klarheit zu schaffen, nutzten Clark und seine Kollegen einen geologischen Ansatz: Sie analysierten Herkunft und Zusammensetzung von 599 Steinfragmenten und -werkzeugen, die sie auf den Inseln von Tonga und Samoa in alten Ruinen gesammelt hatten. “Diese Form der Gesteinsanalyse ist besonders gut dafür geeignet, die prähistorischen Langstrecken-Verbindungen aufzudecken”, erklären die Forscher. Denn das Gestein der verschiedenen, meist vulkanischen Inseln im Zentralpazifik ist chemisch sehr unterschiedlich. Die chemische Zusammensetzung eines Gesteins erlaubt daher Rückschlüsse auf seine Herkunft.
Exotische Gesteine als Prestigeobjekte
Das Ergebnis war überraschend: Zwei Drittel der in der Nähe von tongaischen Ruinen gesammelten Steinfragmente und -werkzeuge stammten nicht aus diesem Archipel, sondern von anderen, weiter entfernten Inselgruppen. Vor allem die Bauwerke der Könige und Eliten wurden demnach mit fremden, nicht heimischen Steinen errichtet oder mit ihnen verziert, schließen die Forscher. Die meisten Gesteine wurden dabei aus Samoa und Fidschi importiert, aber auch aus dem 2.500 Kilometer entfernten Tahiti fanden die Wissenschaftler eine Steinprobe. “Das belegt, wie weit die sozialen und wirtschaftlichen Netzwerke der tongaischen Elite damals reichten”, so die Forscher. Im Gegensatz dazu stammten fast alle auf Samoa gesammelten Steinproben aus örtlichen Formationen.
Wie die Forscher berichten, liefert dies auch neue Einblicke in die innere Struktur und Organisation des tongaischen Imperiums. Denn der Besitz exotischer Steine und der Handel mit ihnen war offensichtlich ein Privileg des Königs und der Oberschicht. Nur in der unmittelbaren Nähe ihrer Grabmale und Bauten finden sich die fremden Gesteine. Von den Eliten Tongas ist bereits bekannt, dass sie gezielt Angehörige des Adels anderer Inseln und Inselgruppen heirateten, um ihren Einflussbereich auszuweiten. Regelmäßig fanden zudem Zeremonien im damaligen Herrschersitz Tapaha statt, zu denen Adelige per Kanu von weither anreisten. “Die dabei ausgetauschten Güter und nichtheimischen Wertobjekte waren eine wichtige Quelle des Wohlstands für die tongaischen Eliten”, sagen die Forscher. Gleichzeitig machten diese selbst über weite Entfernungen funktionierenden Verbindungen und Netzwerke das Südsee-Imperium zu einem wichtigen Knotenpunkt für Handel und Kommunikation im gesamten Zentralpazifik.





