Verbote oder Warnungen haben kaum Einfluss auf das spontane Verhalten von acht- bis zwölfjährigen Jungen. In dem Versuch, den Geoffrey Jackman von der Emory University in Atlanta, Georgia durchführte, wurde deutlich, dass Jungen mühelos versteckte Waffen aufspüren, ohne Kenntnisse über deren Gefährlichkeit damit spielen und sogar den Auslöser bedienen.
Für das Experiment wurden 64 Jungen im Alter von acht bis zwölf Jahren in Gruppen von jeweils zwei oder drei in einen Raum gebracht, den sie nicht kannten und der für eine medizinische Vorsorgeuntersuchung vorbereitet war. Die Kinder wussten nicht, dass in einer der Schubladen zuvor eine Handfeuerwaffe versteckt wurde. Während einer 15-minütigen Wartezeit, in der die Jungen scheinbar unbeaufsichtigt durch einen verblendeten Spiegel beobachtet wurden, fanden 48 von ihnen mühelos die Waffe. Die Hälfte der Jungen fing darauf hin an, unbekümmert mit der Pistole zu spielen. Obwohl die Kinder nicht wussten, ob es sich um eine echte Schusswaffe handelte, die eventuell geladen war, lösten 16 Kinder einen Schuss aus.
Viele der Kinder kamen aus Elterhäusern, in denen mindestens ein Elternteil einen Collageabschluss hat. 21 der elterlichen Haushalte verfügten über eigene Waffen. Die Eltern gingen alle davon aus, dass ihre Kinder ordentlich aufgeklärt waren und die meisten dachten, dass ihre Söhne grundsätzlich kein Interesse an Schusswaffen hätte.
Der Psychologe und Experte für Gewalt unter Kindern, Kevin Dwyer, hält diese Beobachtungsergebnisse für extrem wichtig. Sie zeigen, dass es nicht genug ist, Kinder über Gefahren durch Waffen zu informieren. Es müssen Konsequenzen gezogen werden, die garantieren, dass Waffen nicht in die Hände von Kindern gelangen.
Marion Herzog