Gartenkultur im Zeichen der Zeit
Wie sich die Anforderungen an den Garten im Laufe der Zeit verändern können, zeigt ein Projekt des Schweizer Bundesamts für Kultur. Es befasst sich mit der Frage, wie der fortschreitende Verlust der Biodiversität mit Hilfe gezielter Gartenkultur verlangsamen oder aufhalten ließe – und fragt zugleich danach, welchen Anteil „alte“ Gärten haben könnten. Vor dem Hintergrund eines zeitgenössischen Problems geht es gleichzeitig darum, die historischen Grundlagen zu bewahren.
Das Ziel ist hingegen das gleiche geblieben, weswegen das Natur- und Kulturerlebnis weiterhin im Fokus bleibt. Im Grunde genommen lässt sich das Konzept der Gartenkultur auf dieses – vermeintliche – Gegensatzpaar herunterbrechen. Denn der Garten stand seit jeher zwischen dem Wunsch, die Natur in greifbarer Nähe erfahren zu können und dem Wunsch, sie nach dem eigenen Willen und zu eigenen Zwecken zu formen.
Dieser Grundsatz gilt für die antiken Gärten, die beispielsweise in Babylon in den Rang eines Weltwunders aufstiegen, genauso wie für den heimischen Garten, dessen Gestaltung in vielfältiger Weise den individuellen Vorstellungen angepasst werden kann. Ganz gleich, wie die Ergebnisse am Ende aussehen oder welchen Vorbildern oder Maßgaben sie folgen, die Gärten von heute sind die Fortsetzung durchgängiger menschlicher Bemühungen, die Harmonie zwischen Mensch und Natur zurückzuholen.
Die Anfänge der Gartenkultur
Nichtsdestotrotz zeigt der Blick zurück auf die Anfänge der Gartenkultur, dass es den Menschen zunächst vornehmlich um die Befriedigung von Grundbedürfnissen ging und kaum um die ästhetischer Konzepte. Gärten entstanden erst, als die Menschen begannen, sesshaft zu werden, waren sogar eine wichtige Grundlage dazu. Kaum überraschend daher, dass Gartenbau in seinen ursprünglichen Formen in erster Linie funktional war, da er das Problem der Ressourcenknappheit lösen musste, welches in Folge der Sesshaftigkeit entstand.
Damit einher ging aber gleichzeitig eine erste Trennung von ungezähmter und kultivierter Natur: Die angebauten Nährpflanzen waren überlebenswichtig und brauchten daher Schutz. Während in privaten Gärten Hecken und Zäune vornehmlich dem Sichtschutz und der Abgrenzung benachbarter Grundstücke dienen, waren sie anfänglich eine notwendige Schutzmaßnahme vor ernstzunehmenden Gefahren.
Dennoch lässt sich erkennen, wie die Grundlagen der Gartengestaltung bereits in den antiken Ursprüngen angelegt sind. Sie entspringt dem Bedürfnis, die Natur zu beherrschen, was sich in den Bemühungen äußert, aus dieser eine zweckdienliche und dem Menschen gefällige Ordnung zu schaffen. Sie benötigt dazu aber auch Antworten, um diese Umgestaltung entgegen der natürlichen Unwirtlichkeiten durchsetzen zu können:





