Schon seit Generationen knacken westafrikanische Schimpansen Nüsse mit Ästen und Steinen: Bei Ausgrabungen einer urgeschichtlichen Schimpansen-Siedlung im Regenwald der Elfenbeinküste hat ein internationales Team um den Leipziger Schimpansenforscher Christophe Boesch und den kanadischen Regenwaldarchäologen Julio Mercader 4.300 Jahre alte Steinwerkzeuge gefunden. Bereits die gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse behalfen sich mit Schlagwerkzeugen, vermuten die Forscher daher.
Wissenschaftler hatten erstmals im 19. Jahrhundert Schimpansen im
Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste beobachtet, die Nüsse mit Steinwerkzeugen öffneten. In diesem Nationalpark, in dem noch heute Schimpansen leben, grub nun das Forscherteam 4.300 Jahre alte Steinhämmer aus. Sie zeigen für das Zerschlagen von Nussschalen typische Abnutzungserscheinungen, und auf ihrer Oberfläche fanden die Wissenschaftler Stärkerückstände der gleichen Nüsse, die heute noch von den Affen in diesem Gebiet gefressen werden. Menschen haben diese Region erst später besiedelt. Deshalb ? und weil die Steinhämmer perfekt in Schimpansenhände passen ? sind die Wissenschaftler überzeugt, urgeschichtliche Schimpansenwerkzeuge gefunden zu haben.
“Die westafrikanischen Schimpansen benützen dreißig verschiedene Werkzeuge, etwa um sich zu kratzen oder um an Insekten oder Honig zu gelangen”, sagt Hedwige Boesch im Gespräch mit wissenschaft.de. Die Schimpansenexpertin besucht seit 1979 mit ihrem Mann Christophe Boesch regelmäßig die bedrohten Menschenaffen im Taï-Nationalpark. Nussschalen knacken die Schimpansen mit zwei Steinen, die sie wie Hammer und Amboss verwenden. Mit einem kleinen Ast lösen sie die Nüsse aus der Schale.
Die Jungtiere erlernen das Nussknacken von ihren Müttern und beherrschen es erst nach mehreren Jahren. Welche Steine sich am besten dazu eignen und wie sie verwendet werden, geben die Schimpansen von Generation zu Generation weiter. Wie der archäologische Fund bestätige, teilten die Vorfahren von Menschen und Schimpansen kulturelle Merkmale, die man bisher ausschließlich dem Menschen zugestanden hatte, erklären die Wissenschaftler.
Julio Mercader (Universität von Calgary) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI 10.1073/pnas.0607909104 ddp/wissenschaft.de ? Fabio Bergamin