Bisher musste dieser Zelltyp, der für viele medizinische Therapien vielversprechend ist, zu jeder Anwendung neu aus dem Gewebe von Embryos und in seltenen Fällen auch aus dem von Erwachsenen gewonnen worden. In Deutschland ist die umstrittene Arbeit mit Embryozellen aus ethischen Gründen untersagt. In vielen Staaten wird über eine Zulassung diskutiert. Die USA hatten das Verbot für die staatlich finanzierte Forschung mit embryonalem Gewebe erst Ende Oktober aufgehoben.
Die Stammzellen aus dem Labor, “Embryoid Body Derived Cells” (EBDs) genannt, dürften nach Überzeugung von Gearhart zum “Zugpferd für die neuen Behandlungen mit transplantiertem Gewebe werden”, wie die Johns-Hopkins-Universität am Mittwoch mitteilte. Mit ihnen erübrigt sich die Benutzung von ständig neuem Embryogewebe, sagt Gearhart, und damit auch die politische und ethische Debatte um die Forschung mit Stammzellen.
Das gleiche Team, das erst vor zwei Jahren das Potenzial von Stammzellen erkannt und beschrieben hatte, stellt jetzt seinen Durchbruch im Labor in den jüngsten “Proceedings of the National Academy of Sciences” vor.
Der neue Zelltyp EBD ist undifferenziert und kann sich in viele verschiedene Zellen entwickeln, ebenso wie natürliche Stammzellen. Das heißt, dass auch EBD-Zellen bei einer Transplantation in krankes oder verschlissenes Gewebe die Funktion der dringend benötigten Zellen übernehmen können, schließen Gearhart und Kollegen. EBDs teilen sich bis zu 70 Mal und produzieren Millionen gewünschter Zellen ohne ersichtliche Abnormalitäten. Auch das Risiko, dass die natürlich gewonnenen Stammzellen unter bestimmten Bedingungen nach der Injektion in der Körper Tumoren erzeugen können, sei bei den EBDs ausgeschaltet, erläuterte der Molekularbiologe Michael Shamblott.
Die Hopkins-Forscher wollen ihre Zellen aus dem Labor zuerst an Tiermodellen für verschiedene Nervenleiden wie die Parkinsonsche Krankheit und Schlaganfall sowie auch für Diabetes Typ I testen.
Sie hatten die neuen EBD-Zellen ursprünglich auch aus embryonalen Keimzellen gewonnen, diese in Laborkulturen zu kleinen Zellklumpen, “embryoiden Körpern” heranwachsen lassen und sie dann mit “sanften” Enzymen wieder voneinander getrennt. Die einzelnen Zellen wurden von den Forschern in “sechs verschiedenen, einfachen Nährlösungen” zum Wachsen angeregt. Wenn die so gewonnenen “Embryoid Body Derived” (EBD) Zellen anschließend in einer Kultur mit Nervenzellen weiter herangezogen wurden, entwickelten sie sich ebenfalls zu dem gewünschten Zelltyp und vermehrten sich anschließend noch viele Male.
dpa





