Wissensdurst, so erzählen es die Schreiber der Antike, hätte Alexander den Großen angetrieben, mit seinen Heerscharen dem gewaltigen Perserreich die Stirn zu bieten. Außerdem seine Sehnsucht, fremde Länder zu erkunden – und zu beherrschen. Offiziell ließ der Makedone aber aus einem anderen Grund zum Feldzug blasen: Rache gegen die Perser, weil sie mehr als 150 Jahre zuvor in Griechenland eingefallen waren.
Alexanders taktisches Geschick – und das nötige Quäntchen Glück – brachten den Perserkönig Dareios III. zu Fall und den Makedonen 330 v.Chr. auf dessen Thron. Spätestens jetzt brach in Alexanders Eroberungsgier auch Faszination durch: vom Hofstaat und Luxus der Perserkönige, von ihrer ehrwürdigen Machtfülle in einem straff organisierten Vielvölkerstaat, der sich von Kleinasien bis Indien erstreckte. Die Herrscher reisten ständig umher, hielten Hof an ihren Residenzen in Susa, Babylon, Pasargadae. Und in Persepolis: Die gewaltige Palaststadt erhob sich auf einer haushohen Steinterrasse, 300 auf 400 Meter groß – und war doch so geheim, dass die Griechen erst kurz vor ihrer Ankunft davon erfuhren. Alexander ließ die Residenz plündern und in Brand setzen. Das belegen dicke Schichten Brandschutt und die wenigen Kostbarkeiten, die übrig geblieben sind. Der Rache war Genüge getan. Trotz des Brands und zweieinhalb Jahrtausenden, in denen der Zahn der Zeit an den Ruinen nagte, hat der Palastkomplex kaum an Monumentalität eingebüßt – mit reich dekorierten Prunktreppen und Toren sowie 20 Meter hohen Säulen samt mächtigen Stier- und Greifenkapitellen.
Die ersten europäischen Reisenden kamen in der frühen Neuzeit, doch wissenschaftliche Ausgrabungen begannen erst in den 1930er-Jahren. Der deutsche Altorientalist Ernst Herzfeld ließ im Auftrag der University of Chicago das Areal freilegen. Danach untersuchten iranische Forscher den Palast und die nahe gelegenen Königsgräber in Naqsch i-Rustam. Dabei entdeckten sie Überraschendes: Hassan Rahsaz von der Parsa-Pasargadae-Forschungsstiftung etwa stieß auf Farbreste an den heute kahlen Reliefs. So waren Bart und Haar des Königs blau gefasst, Lippen und Augen rötlich.
Der Krieg mit dem Irak, Sanktionen und Unruhen ließen lange Jahre die meisten archäologischen Arbeiten im Iran brach liegen. Doch allmählich laufen wieder Projekte an, und ausländische Wissenschaftler kehren ins Land zurück. Erst jüngst gelang Prähistorikern um Simone Riehl von der Universität Tübingen ein bedeutender Fund in Chogha Golan, einer neolithischen Siedlung im Westiran: In den bis zu 12 000 Jahre alten Schichten fanden sie vielfach Reste von wildem Weizen und Gerste. Sie zeugen von den Anfängen der Pflanzenzucht, denn gut 2200 Jahre später kultivierten Menschen dort domestizierte Arten. Bislang waren solche Nachweise nur von zeitgleichen Fundstellen aus der Levante und Nordmesopotamien bekannt, im Kernland des Fruchtbaren Halbmonds. Jetzt ist klar: Der Mensch „erfand” den Ackerbau auch weiter östlich – und somit an verschiedenen Orten gleichzeitig.
Im Iran schlummern noch viele große und kleine Sensationen im Boden. Über eine davon erfahren Sie im folgenden Interview. ■
von Karin Schlott





