Im Laufe der Geschichte haben Pferde und weitere Equiden eine Schlüsselrolle für die Entwicklung von Kulturen, aber auch der Kriegsführung gespielt. Ein rund 4.500 Jahre altes sumerisches Mosaik belegt, dass die Sumerer bereits zu dieser Zeit Kriegswagen auf dem Schlachtfeld nutzten, die von pferdeartigen Tieren gezogen wurden. Hauspferde wurden allerdings erst rund 500 Jahre später in dieser Region eingeführt. Keilschrift-Tontafeln aus der Zeit erwähnen sogenannte Kunga, prestigeträchtige Huftiere, die rund sechsmal teurer waren als die damals üblicherweise eingesetzten Hausesel. Worum genau es sich bei den Kungas handelte, war allerdings lange umstritten.
Alte DNA von Eseln, Pferden und Verwandten
Ein Team um Andrew Bennett von der Universität Paris hat dieses Rätsel nun aufgeklärt. Dazu untersuchten die Forscher die alte DNA aus 25 Skeletten von Pferdeartigen, die in dem 4.500 Jahre alten herrschaftlichen Grab Tell Umm el-Marra in Nordsyrien gefunden wurden. Die Form der Skelette war zwar pferdeartig, passte aber weder zu Pferden, Eseln noch zu den in der Region wild lebenden Onagern. Schon früher hatten Paläontologen daher angenommen, dass es sich um die rätselhaften Kunga handeln könnte.
„Um zu klären, ob die Gräber von Tell Umm el-Marra tatsächlich die Überreste der politisch und symbolisch wichtigen Kunga enthielten und um den taxonomischen Status dieser Tiere zu bestimmen, untersuchten wir die Genome in Proben dieser Skelette und verglichen sie mit weiteren Equidenproben“, erläutern die Forscher. Als Vergleich dienten ihnen zum einen die Genome domestizierter Esel und Pferde, zum anderen sequenzierten sie auch das Genom von ausgestorbenen Wildeseln, die damals in der Region heimisch waren. Um Mutter und Vater der untersuchten Tiere zu identifizieren, fokussierten sich Bennett und seine Kollegen auf die mitochondriale DNA, die ausschließlich von der Mutter weitergegeben wird, sowie auf das Y-Chromosom, das vom Vater stammt.
Vorteile beider Elterntiere kombiniert
Das Ergebnis: Bei den Kunga handelte es sich um Kreuzungen zwischen weiblichen Hauseseln und männlichen syrischen Wildeseln, die Anfang des 20. Jahrhunderts ausgestorben sind. „Damit haben wir den ältesten Nachweis für die Zucht von Hybrid-Tieren dokumentiert“, schreiben die Forscher. Der bisher älteste nachgewiesene von Menschen gezüchtete Hybride war ein Maultier, das etwa 1000 bis 800 vor Christus in Anatolien gezüchtet wurde. Ebenso wie Maultiere und Maulesel, die aus der Kreuzung von Pferd und Esel entstehen, waren auch die Kunga wahrscheinlich nicht fortpflanzungsfähig. Um Kunga zu züchten, mussten also jedes Mal männliche Wildesel eingefangen und mit weiblichen Hauseseln verpaart werden.





