von BETTINA WURCHE
Der Dinosaurier beißt einige saftige Farnwedel ab, danach knabbert er Koniferen-Grün – und schluckt, ohne zu kauen. Im Dino-Magen wird der weichere Farn schnell verdaut, für die zähe Konifere hingegen braucht er viel länger. Aber letztendlich setzt auch die Koniferen-Zellulose genug Energie frei, um den großen Sauropoden zu sättigen. Die unverdaulichen Reste werden schließlich im Kot ausgeschieden.
Kot kann unter bestimmten Umständen fossilisieren – zu sogenannten Koprolithen („Kot-Steinen“). Mit solchen versteinerten Verdauungsprodukten, bildgebenden Verfahren und vielen weiteren Informationen hat ein Team um den Paläontologen Martin Qvarnström von der Universität Uppsala den frühen Aufstieg der Dinosaurier und ihre subtropische Lebenswelt rekonstruiert.
Die Spuren polnischer Urechsen
Im polnischen Becken sind in Tongruben und an anderen Fundstellen Fossilien früher Dinosaurier und ihrer Vorfahren erhalten. Die Funde aus Schlesien und dem Heiligkreuzgebirge bilden einen Zeitraum von 30 Millionen Jahren ab. Sie dokumentieren die Entwicklungszeit der „schrecklichen Echsen“, wie das Wort Dinosaurier übersetzt werden kann, die vor etwa 230 Millionen Jahren ihren Anfang nahm. Zu Beginn gab es nur einen einzigen Dino-Vorfahren in der Region. Später lebten hier alle drei großen Dinosaurier-Gruppen: die Sauropoden, die Theropoden und die Vogelbeckensaurier (Ornithischier).
Die Skelette der polnischen Urechsen sind selten. Häufiger sind hingegen Spurenfossilien: Zahlreiche Fußspuren verschiedener Form und Größe auf vielen Quadratmetern dokumentieren das rege Treiben im Erdmittelalter. Weitere Spurenfossilien sind sogenannte Bromalithen, also fossiler Kot oder Magen- und Darminhalt. Dass es mehr Spuren als Skelette gibt, erklärt Qvarnström damit, dass Tiere täglich Spuren hinterlassen, aber nur einmal am Ende ihres Lebens ein Skelett.
Mit seinem Team hat er in einer Übersichtsstudie erstmals die Skelette und Arten des polnischen Beckens mit Spurenfossilien sowie weiteren Daten wie etwa Pflanzenfossilien, Paläoklimadaten sowie geochemischen Analysen verknüpft. Ein Ergebnis: Innerhalb von nur 30 Millionen Jahren wurden die Dinosaurier sowohl größer als auch artenreicher. Die Bromalithen nahmen in der Untersuchung eine Schlüsselrolle ein – sie zeigen, wer einst wen und was gefressen hat. Rund 500 Stück wurden in über 25 Jahren an acht Fundstellen gesammelt.
Mahlzeiten als Wissensschatz
Einige Knochenfragmente, Schuppen und andere feste Bestandteile werden nur unvollständig verdaut und im Kot ausgeschieden. „Der hohe Phosphorgehalt von gefressenen Knochen und Fleisch begünstigt die schnelle und vollständige Mineralisierung von Urzeit-Kot durch Phosphatisierung“, erklärt Karen Chin von der University of Colorado Boulder. So fossilisieren nicht nur die Knochenteile und Schuppen, sondern auch filigrane Insektenfühler. Die Mahlzeiten der Pflanzenfresser hingegen enthalten kein Knochen-Kalziumphosphat, darum fossilisiert ihr Kot seltener und schlechter. Immerhin sind in den Fleischfresser-Koprolithen auch gut fossilisierte Pflanzenreste zu finden, die diese wohl beim Fressen und Trinken mit aufnahmen.





