Eindrucksvolle Spuren der Kreativität: An vielen Orten der Welt haben sich Menschen in grauer Vorzeit durch Felsmalereien verewigt. Tierdarstellungen sind dabei ein häufiges Motiv. Wie alt diese Werke genau sind, ist oft allerdings schwer feststellbar, da häufig kein organisches Material in den Farbpigmenten existiert, das sich für eine direkte Radiokohlenstoff-Datierung eignet. Bei der bisherigen Rekord-Datierung handelt es sich um das Ergebnis einer Uran-Isotopen-Untersuchung von Kalkablagerungen an Felsmalereien auf der Insel Sulawesi, die ein Alter von über 40.000 Jahren ergab. In Australien weisen Untersuchungen von Funden im Zusammenhang mit Felskunst zwar ebenfalls auf ein Alter von 28.000 Jahren beziehungsweise sogar 40.000 Jahren hin. Aber in beiden Fällen lassen sich die Befunde nicht eindeutig gemalten Felsbildern zuordnen.
Bei den deutlich erkennbaren figurativen Felsmalereien der Vorfahren der australischen Aborigines konnten Forscher bisher nur anhand der Reihenfolge von sich überlagernden Bildern zeigen, welche Darstellungsformen die ältesten sind. Dabei handelte es sich um Abbildungen von Tieren in einem naturalistischen Stil: Sie wurden in charakteristischer Weise in ihrer natürlichen Lebensgröße dargestellt. Wie alt diese Werke allerdings genau sind, war bisher nicht feststellbar. Den Wissenschaftlern um Damien Finch von der Universität Melbourne ist es nun allerdings gelungen, doch eine Radiokohlenstoff-Datierung zur Altersbestimmung einzusetzen.
Datierung durch Wespennester
Dies war auf indirekte Weise möglich: Die Forscher nutzten das organische Material in den Spuren fossiler Wespennester an den Felswänden der Fundorte. Es handelt sich um die Nestbauten von sogenannten Schlammwespen – sie bauen aus Substanzgemischen kleine, widerstandsfähige Nester an harten Oberflächen. Wie die Forscher erklären, übermalten die prähistorischen Künstler diese Strukturen und anschließend bauten die Wespen dann oft erneut Nester auf den Werken. “Eine Abbildung unter einem Wespennest muss somit älter sein als das Nest, und ein Gemälde über einem Nest muss jünger sein als diese Struktur”, sagte Finch. “Auf diese Weise lassen sich also Rückschlüsse auf das Zeitfenster ziehen, in dem die Felsmalerei entstanden ist“, so der Wissenschaftler.
Im Fokus der aktuellen Studie standen Felsmalereien von acht Fundorten in der Kimberley-Region im Nordwesten Australiens. Der herausragende Befund stammt dabei von einer Abbildung auf dem Gebiet der Unghango-Aborigines im Balanggarra-Land oberhalb des Drysdale Rivers. Es handelt sich um die zwei Meter große Darstellung eines Kängurus im typischen Stil der frühesten Periode, erklären die Forscher. Erfreut stellten sie fest, dass sich sowohl über als auch unter der Abbildung Überbleibsel von gleich mehreren Schlammwespennestern befinden, die sich für eine Probenahme zur Radiokarbondatierung eigneten.





