Bereits zwei Flöten-Bruchstücke aus der Altsteinzeit waren in den letzten Jahren bei Grabungen in den Sedimenten der Geißenklösterle-Höhle, nahe Blaubeuren auf der Schwäbischen Alb, ans Licht gekommen. Jetzt freut sich Grabungsleiter Nicholas Conard von der Universität Tübingen über den Fund einer dritten Flöte. Aus 31 Fragmenten rekonstruiert, ist sie laut Radiokohlenstoff-Datierung der Fundschicht 30 000 bis 36 000 Jahre alt. Damals lebten Menschen der Aurignacien-Kultur in den Höhlen der Schwäbischen Alb (bild der wissenschaft, 11/2004, „Wer waren die ersten Künstler?”). Aurignacien-Menschen schufen erstmals figürliche Kunst, Schmuck und, so Conard, „die ersten eindeutigen Belege für eine musikalische Tradition”.
Während die beiden früher ausgegrabenen Steinzeit-Flöten lediglich aus angebohrten, von Natur aus hohlen Vogelknochen bestanden, ist die dritte für ihn „eine technische Meisterleistung – bisher in dieser Epoche unbekannt”. Ihr Schöpfer (oder ihre Schöpferin) hat sie zunächst als kompakte Form aus einem Mammutstoßzahn geschnitzt, dann längs halbiert, mit Steinwerkzeugen ausgehöhlt, mit Grifflöchern versehen und – möglicherweise mit Birkenpech – zusammengeklebt. Dutzende von Kerben an der Außenseite vergrößerten nicht nur die Haftungsfläche für den Klebstoff, sondern dienten wohl auch als Führungen für Tiersehnen oder Pflanzenfasern: Sie hielten die Hälften des Musikinstruments zusätzlich luftdicht zusammen.
Der Musikwissenschaftler Friedrich Seeberger hat eine Holz-Rekonstruktion des Instruments angefertigt. Sein Urteil: Eine kenntnisreich gefertigte Schrägflöte, auch ohne ein zusätzliches Mundstück gut spielbar.





