Im Frühjahr 1799 wollte Napoleon mit 13 000 Mann die Hafenstadt Akko im Norden des heutigen Israel erobern. Der Feldzug war Teil seines Plans, die Grenzen Ägyptens zu sichern. Doch die osmanischen Verteidiger Akkos hielten den Sturmangriffen des Kaisers 61 Tage lang stand, bis dieser entnervt am 21. Mai die Belagerung abbrach. Ein Grund für die Schlappe des Kaisers war, dass die mit den Osmanen verbündeten Briten in der Hafeneinfahrt der Stadt ein Schiff versenkt hatten, das als Barrikade für die französischen Kriegsschiffe dienen sollte.
Das Wrack wurde 1966 wiederentdeckt. Seitdem rätseln Wissenschaftler darüber, wie das Schiff auf den Meeresgrund geschickt wurde. Schließlich war sein Rumpf aus ungewöhnlich dickem Eichenholz gebaut. Konnten die damaligen Kanonenkugeln wirklich so massive Planken durchdringen? Israelische Unterwasserarchäologen der Universität Haifa um Ya’acov Kahanov sind jetzt der Sache auf den Grund gegangen.
Dazu bauten die Forscher fünf Rümpfe des Schiffs im Maßstab eins zu zwei nach. Außerdem konstruierten sie eine Kanone, deren Eigenschaften denen der Modelle des frühen 19. Jahrhunderts glichen. Als Munition dienten nachgebaute Kanonenkugeln. Dann hieß es für die Wissenschaftler: Feuer frei! Unter ohrenbetäubendem Getöse jagten die Mannen um Kahanov Kugel um Kugel in die Planken ihres Versuchsaufbaus. Wie sich zeigte, hatte der nicht lange Bestand, denn die Geschosse durchschlugen problemlos das Holz – bei einer Geschwindigkeit von 500 Metern pro Sekunde, aber auch schon bei 100 Metern pro Sekunde. Es war also für die Briten damals kein Problem, das Barrikadeschiff mit Kanonen zu versenken. Außerdem zeigte sich, dass die langsameren Kugeln eine verheerende Wirkung hatten, denn bei ihnen splitterte das Holz besonders stark. Für die Besatzung bestand dadurch eine erhebliche Verletzungsgefahr durch umherfliegende Teile.
Aber nicht nur wegen dieser Ergebnisse hält Kahanov das Experiment für bedeutsam. „Wir haben auch neue Einblicke in die Konstruktion von Kriegsschiffen und die Technik von Seeschlachten in dieser Epoche gewonnen”, sagt er. Nicht zuletzt dürften die Experimente den Forschern einen Heidenspaß gemacht haben.
Redaktion: Hans Groth, nachrichten@bild-der-wissenschaft.de





